Sonntag, 13. November 2016

Die Trolljagd - Kapitel 8: Die Belohnung

»Na, ihr Schlafmützen!«, begrüßte uns Saradar, als er in das Zelt trat. Urota bekam davon nichts mit, aber Edwen und ich begleiteten ihn nach draußen, wo schon der Rest unserer Gruppe auf uns wartete. Wir waren erfreut, ihn lebendig wiederzusehen, aber natürlich auch neugierig darauf, was ihm widerfahren war.

Widun schlug ihm auf die Schulter: »Wir dachten schon, die Trolle hätten dich erwischt!«

Widun hatte Mühe, sich auf den Beinen zu halten, als der große Barbar seinen Schulterschlag erwiderte: »Da kennt ihr mich aber schlecht! Während ihr euch an den Bäumen wie Affen festgeklammert habt, konnte ich doch die verzweifelte Maid nicht in den Händen dieser hässlichen Trolle lassen und habe heldenhaft die Verfolgung aufgenommen. Wer weiß, welche widerwärtigen Rituale sie mit ihr vorhatten, sie hatten sie schon mit ihren Trollsymbolen bemalt, und ihr Augen und Knochen in die Haare geflochten. Sie wollten sie bestimmt einem ihrer abartigen Götter opfern! So etwas kann ein Gefolgsmann Osirs natürlich nicht zulassen!«
Die Trollfrau.

Vivana frotzelte: »So wie ich dich kenne, warst du da eher triebgesteuert!“

Saradar grinste: »Na ja, schlecht sah sie wirklich nicht aus, tolle Rundungen!“

Widun wollte wissen, wie es weiterging: »Konntest du sie denn retten? Wo ist sie?“

Saradar verschränkte die Finger und ließ sie knacken: »Ich sehe schon, ihr wollt meine komplette Heldengeschichte hören. Also, ich jagte den Trollen auf leisen Sohlen hinter her. So ein glubschäugiger Troll brüllte ständig irgendwelche Befehle, musste wohl ihr Anführer sein. Die Maid wurde von einem ganz dürren Troll an den Haaren durch den Wald gezerrt. Dann war da dieses laute Krachen und sie machten plötzlich Halt. Musste mich im Schlamm verstecken, haben mich zum Glück nicht erschnüffelt. Dann sind sie weitergerannt, nachdem ihr sie mit Pfeilen beschossen hattet. Ich hinterher bis ich an einen Fluss kam. Ich konnte beobachten, wie Hängeauge und der Dürre zusammen mit einem dritten Troll die hübsche Maid mithilfe eines Baumstammes ans andere Ufer brachten. Haben versucht, ihre Spuren zu verwischen. Hab‘ gerade noch bemerkt, dass auf meiner Uferseite ein Jungtroll Wache hielt, musste mich beeilen und hab‘ ihm schnell das Genick gebrochen.«

Saradar ließ es sich nicht nehmen, das lautstark mit einem Schnalzer seiner Zunge zu vertonen.

»Bin dann noch schnell über den Stamm gerannt und dem dritten Troll direkt ins Kreuz gesprungen. Die Frau und die beiden Hässlichen waren mittlerweile im Wald verschwunden. Der Troll ist doch tatsächlich wieder aufgestanden und hat mir sein schwarzes Trollblut ins Gesicht gespuckt, das ihm aus der Nase lief. Ein paar Stiche mit meiner Zweililie und schon lief sein Blut gurgelnd in den Fluss.«

Tarkin bezweifelte die Worte des Barbaren: »Musst du immer so angeben? Das war bestimmt alles ganz anders!«

Saradar schüttelte sein Haupt mit rotem Haarbusch: »Zweifle nicht, kleiner Kobold! Ich nahm die Verfolgung wieder auf und kämpfte mich durch undurchdringliche Dornengestrüppe, als sich schon der Himmel rosa verfärbte. Doch die Dunkelheit kann mich als Sohn der Khor’Namar nicht schrecken. Bloß mein Wiesel musste ich füttern, das hatte angefangen zu jammern.«

Bei dem Wort »Wiesel« kam Besagtes kurz aus Saradars Gürteltasche zum Vorschein und verschwand gleich wieder, als es die vielen Umstehenden bemerkte.
»Als ich schließlich eine künstliche Anhöhe aus grob behauenen Steinquadern erreichte, wartete dort schon Glubschauge auf mich, mit einem Trollspeer bewaffnet, den er über seinem Kopf kreisen ließ.

Gorgar »Glubschauge«.

Ich überlegte mir gerade, wie ich weiter vorgehen sollte, als er den Speer auf mich schleuderte - konnte gerade so ausweichen und sprang auf ihn zu. Er zückte einen Dolch, doch da hatte ich ihm schon meine Zweililie einmal quer über die Brust gezogen. Der Feigling heulte auf und sank auf die Knie. Wollte mir noch in den Bauch stechen, hab‘ ihm aber seinen fetten Kopf von den Schultern getrennt.« Wieder untermalte er den Vorgang mit einem ekelhaften Schnalzgeräusch.

Anneliese rügte ihn: »Könntest du bei deiner Erzählung bitte diese Geräusche weglassen, das ist ja widerwärtig!«

Saradar war bestürzt: »Das verleiht der Erzählung doch erst die richtige Würze! Nun ja, der Kopf ist der Maid direkt vor die Füße gefallen - hat wieder wie am Spieß geschrien - da hat dann der dürre Troll die Ketten fallen gelassen und Reißaus genommen. Aber meine Zweililie ist auch ein prima Wurfgeschoss.«

Wieder versuchte Saradar das Geräusch der fliegenden Waffe und das Durchschlagen des Trollkörpers sowie das ersterbende Gurgeln des Trolls nachzuahmen - Anneliese hielt sich die Ohren zu.

Widun fragte: »Was ist aus der Frau geworden?«

Saradar grinste breit: »Sie war mir natürlich unendlich dankbar. Nachdem wir eine Höhle für die Nacht gefunden hatten, hat sie sich sehr erkenntlich gezeigt …«

Vivana war giftig: »Und dann ist sie abgehauen - mit dir hält man es als Frau sicher nicht lange aus!«

Saradar zuckte mit den breiten Schultern: »Tja, ich war eingeschlafen, hab‘ irgendeinen Albtraum gehabt und bin durch ein krächzendes Lachen wach geworden, da war sie schon weg. Es kam mir alles irgendwie wie ein böser Traum vor. Seltsam, ich weiß noch nicht einmal ihren Namen. Bin aus der Höhle raus und hab‘ gesehen, dass ich gar nicht weit weg von Schaynwayle genächtigt hatte.«

Nach dieser anschaulichen Erzählung brachen wir auf zur Stadt und unserer Belohnung.

Uns war neulich gar nicht aufgefallen, welche Schäden der Trollangriff auf Schaynwayle hinterlassen hatte. Die Baumeister und Handwerker waren eifrig dabei, die Mauer wieder auf Vordermann zu bringen. Die Steinmetze klopften neue Mauersteine in Form, die dann mit Hilfe großer Holzkonstruktionen passgenau in die Mauer eingelassen wurden. Wir näherten uns dem Stadttor, das von einem prächtigen, steinernen Mantikor geschmückt wurde, dem Wahrzeichen der Stadt, wie mir Edwen erklärte. Vor und hinter dem Tor hatte sich eine große Menschenmenge versammelt, die die siegreichen Heimkehrer bejubelte. Aus ihren Gesichtern sprach Erleichterung und Freude.

Am Rande fiel mir der Planwagen dieses zwielichtigen Händlers Irozan auf, aus dem gerade der dicke Söldner Fass mit einem ebenso dicken Sack in der Hand heraussprang. Traurig über den Verlust seiner Partner Tanz und Schädel schien er ja nicht zu sein: er hatte ein breites Grinsen im Gesicht.

Mehr konnte ich nicht beobachten, da die Menschenmenge zugenommen hatte und uns in Richtung Rathaus drängte. Wir wurden dort bereits erwartet. Mit einem freudestrahlenden Gesicht stand dort Stadtherr Goreck. Er hatte ein markantes Gesicht und sah gar nicht so fettleibig aus wie die anderen Ratsherren der Städte, die wir zuvor besucht hatten. Ich bemerkte, dass er Edwen etwas misstrauische Blicke zuwarf, dennoch begrüßte er uns mit herzlichen Worten. Wir folgten seinem Wink hinein. Die schwere Eichentür fiel hinter uns ins Schloss und der Jubel blieb draußen. Ich hatte mitbekommen, dass Vivana gerade noch durch die Tür geschlüpft war. Was sie wohl wieder getrieben hatte? Ratsherr Goreck führte uns durch das sonnendurchflutete Rathaus in seine Schreibstube, die überraschenderweise mit Kriegswaffen und Wandteppichen geschmückt war, die vergangene Schlachten in aller Lebendigkeit und mit leuchtenden Farben darstellten. Hier überreichte er jedem von uns einen Beutel mit 50 Silberlingen: »Dank euch können die Menschen in Schaynwayle wieder friedlich schlafen! Als Anerkennung veranstalten wir heute Abend einen Festakt auf dem Marktplatz - ihr seid natürlich die Ehrengäste. Es gibt übrigens Spanferkel, also besser nicht zu spät kommen!«

Als wir das Rathaus wieder verließen, hatte sich die Menschenmenge bereits wieder aufgelöst. Bestimmt wollten sie das Fest vorbereiten.
Wir hatten auch für Urota einen Sack Silberlinge erhalten, Edwen und ich wollten sie ihm später bringen. Wir versprachen Saradar, Widun, Anneliese und Tarkin am Abend zum Fest zurück zu sein. Vivana war schon wieder verschwunden, sie erkundete die Stadt lieber auf eigene Faust - oder sollte ich besser sagen »auf leisen Pfoten«?

Wir machten noch einen Spaziergang durch Schaynwayle. Die Stadt war in eine Oberstadt, die wohl eher den Edlen vorbehalten war, und eine dreckigere Unterstadt unterteilt. Dem Rathaus gegenüber sah ich einen prächtigen Bau, bei dem es sich um ein Theater handelte. Edwen erklärte mir, dass die Menschen hier Aufführungen veranstalten, bei denen sie in die Rolle anderer Personen schlüpfen - schon seltsam diese Menschen!

An höchster Stelle stand ein in gleißendem Weiß leuchtender Tempel, der dem Sonnengott und Allvater Alun geweiht war. Ich wollte ihn mir genauer ansehen. Der Eingang war rund und Strahlen gingen aus ihm hervor.
Edwen flüsterte mir zu: »Mich erinnern diese Sonnentore immer an die Steuerräder von Schiffen, aber das darf ich nicht laut sagen, die Alunpriester sind da sehr empfindlich!«

Wir wurden erkannt, die Menschen nickten uns freundlich zu, als wir den Tempel betraten. An den Seiten des mächtigen Kuppelbaus brannten selbst am helllichten Tage hundert Kerzen. Durch die aus Mosaiken bestehende Decke fiel das Licht in allen Farben und beleuchtete die Statuen des Tempels. Edwen erklärte mir, dass es sich bei den Statuen um Zöleste, also die himmlischen Diener Aluns, und um Paladine handelte. Das seien Krieger, die sich in den Dienst ihres Gottes gestellt hätten. Das ganze erzeugte eine mystische Atmosphäre, fast so wie in einem Hain der Ianna meiner Heimat Oxysm. Einige Priester hatten einen Choral angestimmt, der vom Rund der Kuppel eindrücklich verstärkt wurde.

Ein glatzköpfiger Priester kam in Begleitung eines goldenen Paladins auf uns zu. Ich hatte zunächst die Befürchtung, dass sie mich als Faun nicht im Tempel dulden würden, aber er lächelte uns entgegen und begann: »Ich grüße euch im Namen des heiligen Lichtes! Ihr habt unsere Stadt von dieser dunklen Bedrohung durch die Trolle befreit! Kann ich euch behilflich sein?«

Ich fragte: »Könnt Ihr uns etwas über Schaynwayle erzählen?«

Der Priester antwortete bereitwillig: »Wisst Ihr, unsere Stadt ist sehr alt. Schon von Anbeginn an verehren wir nur Alun, den Gott des Lichts und der Gerechtigkeit. Ihr kennt sicher die Legende von den sieben Paladinen des Lichts? - Nein? - Sie stammen von hier! Viele Heldenlieder handeln von ihnen! Sie liegen alle auf dem Grabhügel im Norden der Stadt. Der achte verbrannte im Feuer eines Drachen - ihm zum Andenken wurde eine Statue aufgestellt.«

Wir bedankten uns beim Priester und verließen ohne die angebotene - kostenpflichtige - Heilung den Tempel. Wir mussten länger als gedacht dort zugebracht haben, denn die Sonne stand schon tief am Horizont als wir hinaustraten. Wir machten uns auf den Weg zum Festplatz - Urota würde seine Silberlinge noch früh genug kriegen.

Samstag, 12. November 2016

Die Trolljagd - Kapitel 7: Spurensuche

Die imbrischen Soldaten schwärmten aus und durchsuchten die Ruine nach weiteren Trollschätzen. Erschöpft vom Kampf mit dem Monster, verließen wir das Gemäuer und gelangten auf den Innenhof der Burgruine, der gepflastert war von toten Hügeltrollen. Wir hörten Pferdegetrappel. Ein weiterer Trupp imbrischer Soldaten war eingetroffen, darunter waren auch Widun und Anneliese, beide hoch zu Ross.

„Wir haben euch sehr vermisst!“, wurden sie von Edwen begrüßt und nacheinander vom Pferd gehoben.
„Was ist euch denn zugestoßen?“, mochte Widun wissen, nachdem er unsere geschundenen Körper gemustert hatte. Ich berichtete ihm von unseren Erlebnissen.

Ein breitschultriger Imbrier namens Syr Yrin hatte von Syr Aluris erfahren, dass einer der Hügeltrolle mit Urotas Urkunde entkommen konnte.
„Fähige Männer sind bereits auf der Jagd nach den übriggebliebenen Trollen. Diesen Ratura werden sie auch erwischen. Ein Troll allein stellt keine Bedrohung für Schaeynwayle oder die Region dar!“

„Wo ist eigentlich Saradar?“, fragte ich Widun, als mir irgendwann auffiel, dass der unmusikalische Barbaren-Barde fehlte.

„Das wissen wir auch nicht. Er ist spurlos verschwunden. Wir sind ja zusammen mit ihm zurückgeblieben, als ihr zur Ruine aufbracht. Wie besprochen, kletterten wir die Bäume rauf, um den Trollen aufzulauern. Ich saß auf einem der Bäume neben Zottelbart, während sich auf einem anderen Baum Zopf und Schatten um diesen verängstigten Händler namens Halef kümmerten. Zum Zeitvertreib unterhielt ich mich mit Zottelbart, der eigentlich Alkyhm heißt und aus einem askalonischen Dorf stammt, das von den Ul’Hukk verwüstet wurde. Er habe bei den Söldnern eine neue Familie gefunden, nachdem seine eigene durch die Tekk ausgelöscht worden ist. Er brach plötzlich seine Erzählung ab und legte den Bogen an: Vom Waldboden drangen ein Rascheln und das Knacken von Zweigen zu uns herauf, im Zwielicht konnte ich huschende Schatten erkennen. Dann - der Schrei einer Frau: Unter uns bewegte sich eine Trollhorde durchs Gestrüpp. Mir fiel ein großer, besonders dicker Troll mit einem hervorstehenden Auge auf, der Befehle - oder vielleicht waren es auch Flüche - in dieser grässlichen Trollsprache brüllte. Dann ein dürrer Troll mit Überbiss, der eine seltsam geschmückte Menschenfrau an den Haaren hinter sich her zerrte. Zottelbart hielt mich zurück, er hatte wohl bemerkt, dass ich der Maid wegen ihrer verzweifelten Hilferufe beispringen wollte. Sie zogen unter uns durch, ohne uns zu bemerken. Im Bereich der Waldlichtung, wo der erste Kampf gegen die Trolle stattgefunden hatte, beugten sich einige Trolle vornüber und schnüffelten den Boden ab. Ja, und dann sprang Saradar, dieser Wahnsinnige ohne Absprache den Baum runter und jagte den Trollen mit seiner Lilie in der Hand hinterher. So haben wir ihn aus den Augen verloren.“

Tarkin: „Ich habe aber nur noch Schatten angetroffen, als ich mit euch das weitere Vorgehen wegen des Hinterhalts besprechen wollte. Wo habt ihr euch versteckt?“

Anneliese: „Wir haben uns nicht versteckt, du lustiger Kobold! Als Saradar heruntersprungen ist, haben wir alle den Atem angehalten, dass uns sein brachiales Vorgehen nicht ins Verderben schickt. Doch er war umsichtiger als vermutet. Dafür krachte plötzlich der Ast, auf dem Halef saß - und danach sein Körper, als er auf dem Waldboden aufschlug.“

Widun: „Mein erster Impuls war, ihm sofort zu Hilfe zu kommen, als er so wimmernd da unten lag, aber wiederum hielt mich Zottelbart zurück. Der Sturz war nicht unbemerkt geblieben: Grunzende Laute, begleitet von einem Knacken im Unterholz näherten sich. Ich konnte nicht anders und sprang herab. Kaum beim Händler angekommen, zeigte auch schon der erste Hügeltroll seine hässliche Fratze.“

Finn: „Wie habt ihr diese brenzlige Situation überlebt?“

Zottelbart hat mitbekommen, dass Widun und Anneliese über ihre Erlebnisse berichten, und klinkt sich mit ein: „Wir haben die Trolle von oben mit Pfeilen beschossen. Das kam wohl so überraschend, dass sie sich zurückgezogen haben. Zopf und ich sind dann gleich hinterher.“

Widun: „Ich habe mir erstmal Halef angesehen. Er hatte sich den Unterarm gebrochen. Mit Mnamns Heilkünsten - oder war es Schnaps? - hatte ich Halefs Schmerzen schnell im Griff. Schatten versprach, sich weiter um Halef zu kümmern. Wir legten ihn auf eine Astgabel, wo er diesmal hoffentlich nicht herunterfallen würde.“

Anneliese: „Schatten hatte uns grob die Richtung gezeigt, wohin die anderen Söldner und Saradar verschwunden waren. Wir sollten mehr über die Trollhorde und ihr Vorhaben herausfinden, während er euch den Rücken freihalten wollte. Wir hätten uns beinahe in diesem Dickicht verlaufen, an der Sonne konnten wir uns wegen des dichten Blätterdaches kaum orientieren. Ein fernes Trollgrunzen brachte uns wieder auf die Fährte und der Wald wurde lichter. Wir gelangten schließlich an einen Flusslauf - am Ufer stand ein Troll, der sein rostiges Beil in die Luft hob und fauchende Geräusche von sich gab - er hatte uns bemerkt.“

Zottelbart lacht: „Zum Glück war mein Kumpel Zopf zur Stelle: Mit seinen Krummsäbeln hat er kurzen Prozess gemacht - kopflos konnte der Troll nicht weiter brüllen! Dann musste ich bloß noch dieser geschwätzigen Kobolddame den Mund zuhalten, sonst hätten uns die anderen Trolle am Ufer auch noch bemerkt!“

Widun: „Auf Zopfs Vorschlag hin folgten wir ihnen mit ein wenig Abstand. Wir stießen dann auf einen Wasserfall, vor dem ein dicker Baumstamm im Wasser schwamm. Den Spuren nach mussten sie damit auf die andere Uferseite gelangt sein. Die Felswand, an der der Wasserfall hinunter prasselte, war zu steil und glitschig zum Klettern, die Strömung zu reißend zum Schwimmen. Zopf meinte, dass die Trolle den Stamm scheinbar nur zur Täuschung ins Wasser geschoben hätten. In einigem Abstand zum matschigen Ufer fanden wir eine neue Spur, der wir dann folgten.“

Tarkin ruft dazwischen: „Doch nicht so dumm, wie man denkt, diese Trolle!“, und schmunzelt dabei Urota an.

Widun: „Wir folgten den Spuren und konnten schließlich von einer felsigen Anhöhe herab in einiger Entfernung die Trollhorde erspähen, die auf diese Burgruine zuhielt. Wir stiegen hinab - und wurden beinahe von mehren heraunsausenden Trollbeilen geköpft - sie hatten uns einen Hinterhalt gestellt! Ein Trollhüne mit einer stachelbewehrten Stange hatte es auf Zopf abgesehen, aber wohl nicht mit dessen schnellen Reflexen gerechnet! Auf jeden Fall machte er kurzen Prozess und schickte ihn in Mortarax‘ Reich!“

Anneliese: „Ein Troll wollte mich mit einer Keule angreifen, der konnte aber meiner feurigen Ausstrahlung nicht widerstehen und hat das Weite gesucht!“

Widun: „Ein Mnamn-Gebet reichte bei mir, um einen weiteren Troll in die Flucht zu schlagen!“

Zottelbart: „Mit diesen hinterhältigen Trollen hatte ich kein Mitleid, ich hab‘ die Flüchtigen mit meinem Bogen erlegt! Ihr habt von dieser Trollhexe berichtet, ich hatte schon die Vermutung, dass sie von jemandem im Hintergrund gelenkt werden, hab‘ noch nie erlebt, dass Trolle so gut organisiert sind!“

Widun: „Außer einem toten Kaninchen fanden wir nichts Wertvolles bei den Trollen. Wir folgten der Horde in Richtung Burg. Nach einiger Zeit sahen wir eine riesige Staubwolke von Norden auf die Trolle zuhalten. Aus der Entfernung konnten wir schließlich aufgrund ihrer weiß-goldenen Fahnen ausmachen, dass es sich um imbrische Soldaten handeln musste, gepanzerte Reiter mit Lanzen und Speeren bewaffnet. Sie traten den Trollen auf offenem Feld gegenüber. Dann kam es zur Konfrontation: Nur einem der Trolle gelang es, einen Reiter abzuwerfen, indem er dessen Pferd in die Vorderbeine hackte. Doch auch er wurde schließlich von mehreren Lanzen durchbohrt. Der Kampf war vorüber, als wir den Rand des Schlachtfelds erreichten. Ohne größere Verluste hatten die Soldaten die Trolle niedergemacht. Ich sah gerade noch, wie einer der Ritter einen fettleibigen, um Gnade winselnden Troll mit den Worten ‚Möge Aluns Licht dich im Jenseits reinigen!‘ gnadenlos aufspießte.“

„Das war dann wohl mein Werk“, mischte sich Syr Yrin ein, der sich der immer größer gewordenen Zuhörerschaft angeschlossen hatte.
„Unser König und Imperator Sibirius der Erste hat uns ausgesandt, ganz Imbrien von den Trollen zu befreien - und der da war ein besonders hässliches Exemplar“, erklärte er mit einem Lachen. Syr Aluris klopfte ihm auf die Schulter.

Syr Yrin: „Die Trollhorde hatte sich wohl vor unserem Zusammentreffen aufgeteilt: Wir entdeckten Spuren, die sich von den anderen getrennt hatten und wieder nach Süden führten. Ich schickte Syr Brynald und euren Freund Zopf mit einem Trupp Reiter hinterher.“

Wir verließen schließlich die Trollfeste, durchquerten den Wald und machten uns auf den Weg nach Schaynwayle, wo laut Tarquan noch eine Belohnung auf uns wartete. Unterwegs lasen wir Schatten und Halef auf. Ich bekam mit, wie Halef Anneliese aus Dank einen Zahn an einer Kette schenkte
„Niemals kann ich das geben, was ihr mir gabt, nehmt aber dies! Dieser Anhänger ist nicht viel wert, aber ich sah, dass ihr ungewöhnliche Dinge sammelt, und dieser Zahn ist gar außergewöhnlich: Es ist der Hauer eines Worphoks, eines gar grässlichen Ungetiers. Es heißt, dass ein solcher Zahn seinem Träger Glück bringen soll. Zum Dank soll er euch gehören!“

Während der weiteren Fahrt achtete ich kaum auf meine Umgebung und verlor auch meine Kameraden aus dem Blick. Grund dafür war diese Bohne, die etwas Faszinierendes an sich hatte.

Wir konnten die Stadt schon aus der Ferne erkennen, als Syr Aluris Edwen und mich zur Seite nahm.
„Wir können euren Trollfreund nicht in die Stadt lassen - die Gemüter der Menschen sind noch zu erhitzt vom letzten Trollangriff - er wäre sicherlich in großer Gefahr!“
Wir willigten ein, uns darum zu kümmern.

Die Soldaten hatten vor der Stadt ein Zeltlager errichtet. Wir bekamen ein Zelt zugewiesen, in dem für uns ein Kessel Fleischsuppe zubereitet wurde. Eine willkommene Stärkung. Uusammen mit Urota ließen wir sie uns munden. Urota wurde nach dem Essen von Müdigkeit übermannt und schlief ein - begleitet von einem lauten Schnarchen. Edwen und ich hatten keine Lust, uns das lange anzuhören und beschlossen, in die Stadt zu gehen.

Wir wollten gerade das Zelt verlassen, als eine große Gestalt den Eingang versperrte.

Sonntag, 6. November 2016

Die Trolljagd - Kapitel 6: Hexengelächter

Wir näherten uns der Quelle der markerschütternden Schreie. Von den Trollen getrieben, gelangten wir ans Ende des düsteren Ganges und wurden durch ein Tor gestoßen. Die Sonne musste schon aufgegangen sein - der große Saal, in dem wir uns wiederfanden, wurde durch ihre Strahlen, die durch zahlreiche Löcher eines alten Daches drangen, hell erleuchtet. Meine Augen brauchten eine Zeit, um sich an die plötzliche Helligkeit zu gewöhnen. Erst jetzt konnte ich das schaurige Schauspiel erkennen, das für die Schreie verantwortlich war.

Vor uns sahen wir einen der Söldner - Schädel - der mit seinem Hammer bewaffnet um zwei Pfähle herumtänzelte. »O nein, das sind gar keine Baumstämme!«, wurde mir mit Schrecken klar: das waren die Beine eines Trolls - eines gigantischen Trolls! Er war bestimmt dreimal so groß wie der Söldner. Eine Bestie, die mit Ketten durch vier Trollhünen kaum gebändigt werden konnte. Wahnsinn funkelte aus ihren Augen - aus Schädels Augen dagegen sprach die Furcht. Er war gezeichnet vom ungleichen Kampf, blutüberströmt und hinkend. Sein Blick huschte zu uns herüber - ein kurzes Lächeln des Erkennens trat in sein Gesicht - das jäh von der herabsausenden Faust des Trollriesen zerschmettert wurde.

Ich musste mich abwenden - doch das ekelhafte Geräusch des berstenden Schädels drang in meine Ohren. Als ich wieder hinblickte, sah ich noch, wie sich der Gigant seine Faust ableckte.
Wieder dieses Gelächter, ich wollte wissen, wo es herkam und blickte nach oben: auf einem unerreichbaren Vorsprung sah ich eine bucklige Gestalt, die ihre runzligen Finger in kreisenden Bewegungen hin- und herschwenkte. »Trollhexe«, raunte uns Urota zu. Im Schatten hinter ihr schienen weitere Trolle zu stehen - wohl ihre Leibwächter. Immer wieder unterbrochen von diesem bösartigen Lachen brüllte die Hexe Befehle. Wir hörten ein lautes Rasseln - die vier Trolle hatten die Ketten fallen lassen und zogen sich schnell aus der Arena zurück, bei der es sich laut Edwen einmal um einen Rittersaal gehandelt haben musste. Wir hörten, wie mit einem lauten Krachen eines mächtigen Balkens hinter uns das Tor verriegelt wurde.
Eine Trollhexe.

»Und nun stirb, Waräsar!«, schrie die Trollhexe mit heiserer Stimme. Urota hatte genug von den ständigen Beleidigungen und spannte seinen Bogen. Mit einem gezielten Schuss hatte er die Hexe am Hals getroffen. Sie zog sich zurück, gurgelnd und stöhnend versuchte sie dabei noch, eine Verwünschung auszustoßen.

Jetzt war der Trollriese auf uns aufmerksam geworden. Er hatte von seinem schauerlichen Mahl abgelassen und kam auf uns zu: Blut tropfte ihm aus den Mundwinkeln, ein halbes Dutzend Schädel baumelte an seinem Gürtel.

Ich richtete ein Stoßgebet an Ianna. Klettenkraut spross aus dem Boden, verzweifelt schleuderte ich es dem Troll entgegen. Es blieb an seinem Bein kleben - mehr auch nicht. Aus den Augenwinkeln konnte ich gerade noch erkennen, wie Vivana eine ihrer Phiolen hervorgeholt hatte und deren Inhalt auf die Spitze ihrer Klinge träufelte. Edwen verpasste dem Trollriesen eine Schramme am Schienbein. Vivana hatte sich hinter ihn gerollt und schnitt dem Riesen in die Wadensehne. Das hatte er offensichtlich gespürt: er griff hinter sich, packte unsere Diebin und schleuderte sie gegen die Wand. Urota versuchte es wieder mit einem Pfeil, der aber am für seine Größe sehr agilen Riesen vorbeizischte. Edwen hatte ihn währenddessen am anderen Bein getroffen. Das ließ der Trollgigant nicht ungestraft - Edwen krachte gegen die Wand. Jetzt schaltete sich auch unser Kobold in den Nahkampf ein - wütend rammte er ihm sein Schwert in den Fuß. Der gleiche Fuß beförderte Tarkin dann gegen die Wand. Meine Kampfgefährten waren schwer gezeichnet von ihrem Schleudertrauma - ohne Widuns Heilkräfte und Annelieses feuriges Temperament waren wir wohl verdammt dazu, als Trollriesenfutter zu enden.

Erstaunt stellte ich fest, dass der Troll plötzlich lahmte. Vivanas zulanisches Froschgift schien endlich zumindest eine leichte Wirkung zu zeigen. Wehrlos wie er jetzt dastand, schaffte sie es, dem Troll das Bein aufzuschlitzen - das Blut spritzte rhythmisch wie eine Fontäne aus der offenen Schlagader.

Von oben kam ein aufgeregtes Schreien, Metall traf auf Metall - Kampfeslärm.
Das Trollmonster schüttelte sich - die Giftwirkung war scheinbar wieder weg - und versuchte es mit einem Rundschlag, dem wir erfolgreich ausweichen konnten. Sein Blut malte dabei einen Ring auf den Boden.

»Aus dem Weg!«, schallte es plötzlich vom Vorsprung herab. Instinktiv duckten wir uns, und der Trollriese wurde von zwei Pfeilen getroffen. Es waren Mond und Tarquan, die uns von da oben Schützenhilfe gaben.

Außer sich vor Wut stampfte der Trollgigant mit seinem unverletzten Bein auf - Tarkin und mich riss die Erschütterung von den Beinen. Edwen war standhaft geblieben und rammte dem Troll die Axt tief ins Bein. Urota zeigte sich ebenfalls unbeeindruckt vom Beben - er zielte - schoss - und - landete einen Glückstreffer: sein Pfeil steckte dem Riesen im Nasenloch. Dieser schwankte - und stürzte schließlich zu Boden. Nachdem sich der Staub gelegt hatte, konnten wir uns von seinem Tod überzeugen - der Pfeil musste ihm tief ins Hirn gedrungen sein.

Noch erhitzt vom Kampf stritten sich Urota und Edwen um einen rostigen Schild, der am Gürtel des Riesen hing. »Da sind ein Schwert und eine Rose drauf, das Wappen Askalons, her damit!« - auf Urotas gereckte Faust hin ließ Edwen jedoch ab - der Klügere gab nach.

Das Holztor hinter uns blieb verriegelt - was die anderen Trolle wohl machten? Die Söldner ließen uns ein Seil herab. Vivana klettert grazil als erste hinauf. Dort wurde sie sehnsüchtig von Tarquan mit einer Umarmung und einem Kuss in Empfang genommen. Als ich mich auch hochgezogen hatte - als Eichhörnchen war das Klettern viel leichter - lagen da reglos die alte Hexe und ihre Leibwächter. Verwundert blickte ich Tarquan an, der erklärte: »Wir sind über einen Geheimgang hierher gelangt.« Mond hatte sich über die Hexe gebeugt und betrachtete nachdenklich seinen Finger: »Seltsam, das ist eine Art Paste.« Edwen war auch interessiert und rieb an der Trollhexe - unter dem grünlichen Schimmer kam hellgraue Haut zum Vorschein: »So weit ich weiß, sind nur Schattentrolle so blass. Sie heißen so, weil sie sich nicht dem Sonnenlicht aussetzen dürfen, das sie nach kurzer Zeit umbringt. Die grünen Hügeltrolle und die grauen Schattentrolle hassen sich eigentlich, weil sie sich gegenseitig die Gebiete streitig machen.«

Die Stille wurde unterbrochen von lauten Rufen und Schwertgeklirre. Das Tor in der Halle wurde aufgestoßen und ein Trupp imbrischer Soldaten strömte hindurch. Ehrfurchtsvoll betrachteten sie den toten Trollgiganten in seiner Blutlache. Dann hatten sie auch uns auf dem Vorsprung wahrgenommen. Jubel und Triumphschreie klagen durch den früheren Rittersaal. »Auf ein Wort«, bat uns der Anführer zu sich, »mein Name ist Syr Terk Aluris, erlaubt mir eine Frage: Wer ist dieser Hügeltroll da?« Er zeigte auf Urota. »Der gehört zu uns!« »Das kann nicht sein, wir haben gerade einen Troll laufen lassen, der das von sich behauptete und uns als Versicherung eine Erklärung des Ratsherrn von Altem zeigte!« Urota sah an sich herunter - seine Unbedenklichkeitsurkunde war weg - er musste sie im Wettstreit mit Ratura verloren haben.

Da fiel mir etwas ein - auch Ratura hatte doch etwas verloren. Ich folgte dem dunklen Gang bis an die Stelle, wo die beiden ihren Kopfstoß-Wettkampf ausgetragen hatten. Und tatsächlich: da lag noch der Leinenbeutel. Neugierig öffnete ich ihn: darin befand sich - eine grüne Bohne. Was für eine Enttäuschung! Doch was war das? In meiner Hand begann sie zu leben - ich spürte, dass dass keine gewöhnliche Bohne war. Die Bohne hatte Iannas Segen.

Montag, 15. September 2014

Die Trolljagd - Kapitel 5: Unter Trollen

Auf Speers Wunsch hin blieb ein Teil unserer Gruppe mit den Söldnern Zopf, Zottelbart und Schatten zurück. Saradar, Widun und Anneliese verkündeten, sich im Wald auf die Lauer zu legen.

Zopf hatte uns noch einmal die Richtung gezeigt, in der die Burgruine lag. Zusammen mit Tarkin, Urota, Edwen und Vivana näherte ich mich der Festung. Durch das Unterholz hindurch konnte ich zwischen den Bäumen eine Mauer erkennen. Die Steine sahen zwar verwittert aus, dennoch machte die Mauer einen massiven Eindruck. Im Schutze der Sträucher schauten wir uns die Festung genauer an. Wir fanden keine Schwachstelle, wo ein problemloses Eindringen möglich gewesen wäre, der Steinwall war überall mindestens dreimal so hoch wie unser Hügeltroll. Vor der Mauer erstreckte sich ein Graben mit schmutzigem Wasser. In der Mitte der diesseitigen Befestigung befand sich ein großes Holztor mit einer Zugbrücke. Ich erkannte, dass einige Äste der umstehenden Bäume bis dicht an die Mauer heranreichten.

Ich verwandelte mich in ein Eichhörnchen, kletterte auf einen der Bäume und kam so auf die Mauer. Auf dem Wehrgang erkannte ich einen großen Schatten. Da ich in meiner momentanen Form wenig ausrichten konnte, kehrte ich schnurstracks zu meinen Gefährten zurück.
„Ich will mir das nochmal genauer ansehen!“, meinte Vivana und kletterte behände einen Baum hoch. Kurz darauf schwang sie sich schon wieder herunter. Sie berichtete uns, dass es sich bei dem Schatten um eine Trollwache handelte, die mit einer großen Klingenwaffe auf der Schulter patrouillierte. Sie hätte auch einen Blick hinter die Mauer erhaschen können. Dort sei ein großer Platz mit einem Baum, weiter im Zentrum hätte sie eingestürzte Dächer, Wagen und Fässer gesehen und im Fenster eines noch intakten Turmes hätte sie sogar Fackelschein bemerkt.

Wir planten, die Trolle aus ihrer Festung heraus in einen Hinterhalt zu locken. Tarkin wollte die anderen im Waldstück unterrichten und machte sich auf den Weg.
Als er zurückkam, berichtete er: „Ich habe nur noch den jungen Söldner Schatten angetroffen. Kurz nachdem wir zur Burgruine aufgebrochen sind, habe eine große Trollhorde das Wäldchen passiert. Zopf und Zottelbart hätten dann wohl mit unseren Gefährten zusammen die Verfolgung aufgenommen. Das mit dem Hinterhalt wird jetzt wohl nichts mehr!“
Wir änderten unseren Plan. Vivana wollte den Wächter auf der Mauer lautlos ausschalten und uns dann das Tor aufmachen. Sie kletterte wieder katzenhaft den Baum hoch, sprang rüber zur Mauer und verschwand in den Schatten.

Einen Moment später hörten wir ein Geräusch, als ob auf der Mauer irgendjemand gestolpert wäre - dann ein Hilfeschrei, der eindeutig von Vivana kam! Plötzlich raschelte es über uns - Vivana war von der Mauer zurück auf den Baum gesprungen und rutschte schnell den Stamm hinunter.

Jetzt konnten wir von unten den Trollwächter sehen, wie er sich über die Mauer beugte. „Schnell, schalte ihn aus, bevor er Verstärkung rufen kann!“, rief Vivana dem etwas träge wirkenden Urota zu. Unser Troll spannte seinen Langbogen und schoss. Der Troll fasste sich ans Ohr, schrie dann etwas Unverständliches auf Trollgar und trommelte mit den Fäusten auf die Mauer. Einen Augenblick später hörten wir das Rattern der Zugbrücke, bis sie schließlich mit einem lauten Krachen auf die Erde knallte. Wir versuchten uns zu verstecken. Tarkin schien verwirrt zu sein, was machte er da bloß? Er kletterte auf einen Stein und bot sich den Trollen förmlich zum Fressen an. Urota und Edwen hatten sich besser platziert. Als drei Trolle schnaubend aus dem Tor hervorquollen, rannte Tarkin um sein Leben. Urota und Edwen traten aus ihren Verstecken neben dem Eingangstor hervor und fielen den Trollen in den Rücken. Nach einem Hieb von Urotas Riesenknochen ging einer der Angreifer bereits in die Knie. Auch Edwen war erfolgreich und hackte dem zweiten Troll in den Rücken. Vivana verließ ihr Schattenversteck und traf den dritten Troll mit einem hinterhältigen Angriff. Die Trolle schlugen wie von Sinnen mit ihren rostigen Beilen um sich. Urota erlitt eine leichte Verletzung, Vivana und Edwen konnten geschickt ausweichen. Urota wurde zornig und spaltete einem der Trolle den Kopf mit seiner Keule.
Als Faundruide konnte ich gegen diese Trolle im Nahkampf wenig ausrichten. Mein Gebet an Ianna, mir einen weiteren Waldgeist zu schicken, war gescheitert, daher versuchte ich es mit einer Schutzhecke. Kurz nachdem ich das Stoßgebet vollendet hatte, spross auch schon eine dichte Hecke vor mir aus dem Boden, die die Trolle nach kurzer Verdutztheit jedoch bloß zu einem spöttischen Lachen nötigte.

Die Trolle waren würdige Gegner, unter Blessuren schafften es die Kämpfer, drei von ihnen auszuschalten. Einem der Trolle gelang es noch mit letzter Kraft ans Tor zu klopfen. Die Brücke wurde wieder hochgezogen. Ein anderer Troll musste Urota gesichtet haben, denn wir hörten ein lautes „Waräsar!“ von der Mauer herunterschallen, was wohl so viel wie "Verräter" auf Trollgar bedeutete. Unsere Antwort folgte prompt. Ich warf Klettenkraut auf ihn - Tarkin schaltete ihn mit einem gezielten Schuss aus: perfekte Zusammenarbeit!

Dann wurde es plötzlich still vor der Ruine. Um uns herum lag ein halbes Dutzend toter Trolle. Urota wandte sich angewidert ab, als wir darüber sprachen, ob wir es den Söldnern nachmachen und Trollhände einsacken sollten.

Doch wie kamen wir jetzt in die Festung? Vivana kletterte erneut auf die Mauer und versteckte sich. Tarkin folgte ihr. Sie konnten einen überraschten Trollwächter ausschalten. Vivana ging eine Treppe hinunter und öffnete Edwen und mir das Tor.

Hinter dem Tor fanden wir uns in einer spärlich ausgeleuchteten Halle wieder. Die Wände bestanden aus grobbehauenen Steinen, die von zerfledderten Wandbehängen geziert wurden. Wir konnten gerade noch erkennen, dass sich vor uns ein bestimmt zehn Schritte messender Abgrund befand. Auf der gegenüberliegenden Seite loderten Fackeln auf. Zwei dicke Trolle bauten sich vor uns auf. Beide trugen sie Stäbe, an derenEnde jeweils ein Korb befestigt war.

Sie fingen an, mit ihren Stäben in Kohlebecken herumzurühren. Wollten sie bloß das Feuer schüren? Nein, jetzt sahen wir, was los war. Sie hatten die Körbe mit glühenden Kugeln beladen. Dann fingen sie an, uns zu verhöhnen, besonders auf Urota hatten sie es abgesehen. Doch nicht nur Beleidigungen schleuderten sie uns entgegen. Mit einer plötzlichen Bewegung feuerte einer der beiden ein glühendes Geschoss auf Urota ab. Dieser konnte sich wegducken und die Feuerkugel setzte einen der Wandbehänge in Brand. Während ich noch auf das sich ausbreitende Feuer achtete, hatte wohl der zweite Trollwerfer sein Geschoss abgefeuert. Es roch plötzlich nach verbranntem Fell - meinem Fell! Zum Glück hatten auch wir Fernkampfwaffen. Urota legte seinen Bogen an - und traff einen der feindlichen Trollwerfer. Nach zwei weiteren Versuchen zogen sich die Trolle zurück.

Wir hörten ein Knarren - eine zuvor verschlossene Seitentür ging auf und zwei Trolle stürmten herein - verfolgt von Schädel und Fass. Ein weiterer Söldner mit einem Trollhauer in der Hand kam grinsend die Treppe von der Mauer herunter, die auch Vivana benutzt hatte, um das Tor aufzumachen. Plötzlich kippte er nach vorne um - ein Beil steckte in seinem Schädel. Jetzt erkannte ich ihn: Das war Tanz, der vor ein paar Stunden Saradar noch Avancen gemacht hatte. Aus dem Schatten trat der Besitzer des Beils hervor - ein weiterer Trollkrieger. Mit der Unterstützung der beiden verbliebenen Söldner drängten wir die Trolle zurück. Der letzte von ihnen starb mit dem Metzgerbeil von Fass im Rücken. Schnell füllte Fass wieder ein paar Phiolen mit Trollblut. An seinem Gürtel sah ich mehrere Trollhauer und -hände hängen.

Fass und Schädel wollten auf eigene Faust losziehen. Sie ließen Tanz' leblosen und gefledderten Körper zurück und verschwanden in der Dunkelheit.

Wir verließen die Vorhalle durch ein Seitentür und finden uns in einem langen Gang wieder. In einem der Nebenräume entdeckten wir Fässer und Truhen. Vivana schaffte es, die Schlösser der beiden Truhen zu knacken. In der einen fanden wir 50 Silberlinge, in der anderen schwarzen Stoff - wohl die Beute eines Raubzugs.

Die Stille wurde plötzlich unterbrochen. Wir hörten ein Schnaufen und sich nähernde Schritte - vielen Schritte. Wir versuchten in die Gegenrichtung zu fliehen und gelangten in einen großen runden Raum. Wir waren gefangen. Etwa fünfzig Trollen hatten uns umringt. Wenn ich ein Mensch gewesen wäre, hätte ich gesagt, dass mir mein Herz in die Hose gerutscht ist. Aber da ich ja für gewöhnlich keine keine Beinkleider trage, begann stattdessen mein linkes Horn zu jucken.

Sie hielten Abstand und griffen überraschenderweise noch nicht an. Sie geiferten und musterten uns mit im Fackelstein glühenden Augen. Auffällig waren die enormen Größenunterschiede - kleinere Jungtrolle standen neben großen, mit vielen Narben übersäten und umso furchteinflößender wirkenden Trollhünen. Dann teilte sich plötzlich wie auf einen unhörbaren Befehl hin die Menge. Ein riesiger Troll, der selbst Urota an Größe überragte, baute sich vor uns auf. Eine seiner Gesichtshälften war durch Brandnarben entstellt und an seiner Schulter ruhte eine große Holzkeule, die mit langen Dornen gespickt war.
Grimmig, aber augenscheinlich mit Interesse, inspizierte er uns, einen nach dem anderen. Dann blieb sein Blick an Urota hängen - er zeigte auf dessen Knochenkeule und brüllte auf Trollgar:
„Eema baaemdricdamda Wokka! Lokk imk aemam Kuvkksußvassbavarb, ik kea kocram!! Wamm Di sasam kecr savemmks, rokkam ver Decr quearraecrs ok Labam, Waräsar!“ - was Urotas groben Übersetzung zufolge so viel bedeutete wie
„Waffe gut! Kopf-Kampf darum machen! Wenn Du gewinnen, vielleicht Du am Leben bleiben, Verräter!“
Ratura, der Trollberserker.

Was nun folgte - ich kann es nur als eine Art Kopfstoßwettbewerb zwischen den beiden Trollhünen bezeichnen. Der feindliche Troll winkte Urota zu sich. Sie stellten sich gegenüber auf. Urota scheint diese Art Wettkampf schon zu kennen. Dann ging es los - die umstehenden Trolle begannen plötzlich rhythmisch aufzustampfen und brüllten: „Ratura! Ratura!“

Ratura begann: von oben herab hämmerte sein Schädel auf den Urotas - dieser zeigte sich gänzlich unbeeindruckt. Dann war unser Troll an der Reihe - Ratura zuckte merklich zusammen - mit so einem harten Schädel hatte er wohl nicht gerechnet, auch die nächste Runde ging an Urota. Die dritte und vierte entschied Ratura für sich, der sich vom ersten Schock erholt zu haben schien und ordentlich austeilte, sodass Urota in die Knie gehen musste. Dann die entscheidende Runde. Urota holte aus, legt sein ganzes Gewicht hinein und landete eine gewaltige Kopfnuss, die Ratura sich das Blut aus seinem verbliebenen Auge wischen ließ. Der letzte Stoß war so heftig gewesen, dass der Berserker etwas verloren hatte. Am Boden blieb ein kleiner Beutel liegen, der sich von seinem Gürtel gelöst haben musste.

Was war das? Die Trollhorde verstummte - ein krächzendes Lachen drang in den Raum. Ratura trat zur Seite und brüllte noch ganz benommen einen Befehl. Wir wurden von den Trollen durch einen engen, dunklen Gang abgeführt. Das Lachen wurde lauter - jetzt auch unterbrochen von schrillen Schreien - und - bestialischen, kehligen Grunzlauten.

"O Ianna, welches Schicksal hast du bloß für uns vorgesehen?", flüsterte ich mir zu.

Samstag, 30. August 2014

Die Trolljagd - Kapitel 4: Die Trophäen der Sieger

Bei Sonnenaufgang zogen wir zusammen mit den Söldnern in Richtung Westen weiter. Wir stießen schließlich auf die nicht zu übersehenden Spuren einer großen Trollhorde. Darunter befanden sich ein paar riesige Fußabdrücke, die sicherlich nicht von einem gewöhnlichen Troll stammten.

Wir folgten den Spuren, die uns zu einer umgekippten Kutsche führten. Ihre Umgebung war von großen Blutflecken übersät. Ein Stöhnen ließ uns die Unterseite des Gefährts untersuchen. Dort war ein Überlebender, der eingeklemmt unter der Kutsche lag. Für Urota war es kein Problem, den Wagen wieder aufzurichten. Als der blutüberströmte Mann den Hügeltroll sah, schrie er vor Angst wie am Spieß und versuchte wegzurennen. Vor Erschöpfung brach er jedoch zusammen, bevor er auch nur richtig auf die Füße gekommen war.

Widun fragte ihn, was passiert sei. Benommen berichtete er ihm: »Sie haben alle umgebracht! Da war ein Monster, das die Trolle an einer Kette geführt haben. Es hat sie ... aufgefressen ... meine Begleiter.«

Er stand verständlicherweise noch unter Schock. Nachem wir ihn beruhigt hatten, fanden wir herais, dass er Halef hieß und als Händler mit der Kutsche unterwegs war – bis sie von Trollen überfallen worden war. Die Pferde hätten sich aufgebäumt und die Kutsche umgerissen. Seine Begleiter und der Kutscher hätten versucht zu fliehen, aber die Trolle hätten sie geschnappt und dann dem Riesen geopfert. Ihn hätten sie für tot gehalten. Bevor er bewusstlos geworden sei, habe er noch mitbekommen, wie sie in Richtung Westen verschwunden seien.

»Laut meiner Karte gibt es dort bloß es eine Burgruine!«, wusste einer der Söldner namens Schädel zu berichten.

»Bleibt zunächst bei dem Händler! Wir schauen uns erst einmal ein wenig um!«, mit diesen Worten von Speer gaben die Söldner ihren Pferden die Sporen.

Nachdem wir aus Teilen der Kutsche eine Trage für Halef gebaut hatten, folgten wir den Söldnern. Als wir uns einem Wäldchen näherten, schallte uns Kampfeslärm entgegen. Wir wurden Zeuge, wie die Söldner drei Trolle niedermachten und einen vierten gefangen nahmen. Dann folgte ein schreckliches Schauspiel: Tanz, Schädel und Fass hackten den toten Trollen die Hände ab und machten sich daran, ihnen auch die Kinnhauer zu entfernen. Dann steckten sie die Körperteile in mitgebrachte Säcke.

Mir war der ganze Vorgang ein Gräuel und ich wollte die Söldner zur Rede stellen:
»Was macht ihr da? Sammelt ihr Trophäen?«

Speer entgegnete mir verärgert: »Nein, wir wollen gutes Geld verdienen! Der Scharlatan bezahlt Halar dafür, dass wir ihm Trollhände und Kinnhauer beschaffen. Mag euch zwar eklig erscheinen, aber die Trolle brauchen ihre Hände und Hauer jetzt auch nicht mehr!«

Urota war inzwischen zu dem gefangenen Troll getreten und befragte ihn für uns auf Trollgar: »Was ihr machen hier?«
Der Troll schaute ihn hoffnungsvoll an: »Wir Wächter – unser Heim schützen!«, übersetzte uns Urota.
»Warum ihr Stadt angegriffen?«, fragte er weiter.
»Wir nicht angegriffen! Wir nur hier! Bruder, du helfen mir!«, übersetzte er die Antwort des Trolls.

»So, Schluss jetzt mit dem Gebrabbel!«, kam es von Fass. Mit einem »Hau-Ruck!« zogen sie den Troll am Seil seiner Fußfessel, das sie über einen dicken Ast geworfen hatten, nach oben. Der Troll baumelte kopfüber vor uns.

Mond zog plötzlich seine Klinge und trat dem Trio aus Fass, Schädel und Tanz entgegen: »Was soll das? Er ist doch keine Bedrohung mehr für uns!«

»Hoho, kleiner Wüstenfuchs! Du stehst wohl auf Trolle!«, frotzelte Fass und machte dabei eine beschwichtigende Geste mit seinen fetten Händen.

Ein weiterer Söldner namens Zopf trat an Monds Seite und zog seinen Säbel. Speer versuchte zu schlichten: »Hört auf mit dem Schwachsinn und steckt eure Waffen weg!«
»Was habt ihr mit ihm vor?«, wollte er von Fass wissen.
Der skrupellose Söldner »Fass«.

»Ist doch klar! Wir erledigen ihn. Ein Feind weniger im Rücken und ein Paar Hände mehr im Sack!«, erklärte Fass.

Speer überlegte einen Moment, dann nickte er: »Ich muss euch leider recht geben: Ja, solange er lebt, bleibt er eine Bedrohung für uns.«

Mond und Zopf steckten widerwillig ihre Waffen weg. Zopf spuckte Fass vor die Füße, dann räumte er das Feld. Fass lachte ihm spöttisch hinterher.

»Speer, das kannst du nicht zulassen!«, meldete sich der junge Schatten, der offenbar auch Mitleid mit der Kreatur hatte. »Er hat sich doch ergeben!«

»Solchen Kreaturen darf man kein falsches Vertrauen entgegenbringen, auch Mitleid ist hier fehl am Platze! Mit den Männern und Frauen in Schaynwayl hätten sich auch keins gehabt!«, versuchte Speer Schatten seine Entscheidung zu erklären – »Tötet ihn, aber macht es schnell!«

Zottelbart zog Schatten zurück, als dieser erneut ansetzen wollte: »Sei weise und vertrau' ihm!«

Blitzartig zückte Tanz ein Messer und schnitt dem herabhängenden Troll die Halsschlagader durch – der Troll schrie auf, dann blutete er stoßweise aus. Fass und Schädel sind zur Stelle und fangen das schwarze Trollblut mit Fläschchen auf, die sie rasch mit Stopfen verschlossen.

Ich sah, wie Urota plötzlich zu taumeln begann – für einen Moment sah ich nur noch das Weiße in seinen Augen – dann ist er wieder ganz da. »Was ist mit dir?«, fragte ich ihn.
»Böse Erinnerung! Trollhexe!«, antwortete er kryptisch.

Dann zischte ein Pfeil knapp über unsere Köpfe hinweg und traf den blutenden Troll genau zwischen die Augen.

»Ihr solltet ihn doch schnell töten! Was führt ihr im Schilde?«, schrie Speer, der den Pfeil abgeschossen hatte.

»Nichts von Belang!«, kam es aus Fass' zahnlosem Mund, als er mit dem Versuch eines Lächelns ein weiteres randvoll mit Trollblut gefülltes Glasfläschchen mit seinem Daumen verschloss.

Inzwischen war Zopf zurückgekehrt: »Ich habe die Burgruine entdeckt! Volltreffer! Die Trollspuren führen dorthin!«

Es folgte eine kurze Unterredung mit Speer.

»Am besten wir teilen uns auf und dringen aus verschiedenen Richtungen in die Trollfestung ein!«, schlug Speer vor.
»Zopf, du bleibst mit Zottelbart und Schatten bei diesem verletzen Händler, sucht euch hier ein gutes Versteck!«
»Ein paar eurer Leute sollten auch zurückbleiben!«, wendete er sich an Edwen, den er wohl für den Anführer unserer Gruppe hielt.
»Wenn ihr aus der Ruine fliehen müsst, haltet auf das Wäldchen zu! Dann können die Zurückbleibenden die Trolle von den Bäumen aus mit Pfeilen spicken!«

Nachdem er seinen Leuten weitere Befehle erteilt hatte, setzte er sie mit einem Handzeichen in Bewegung. Die Söldner verschwanden schnell zwischen den Bäumen, einzig Tarquan warf noch einen sehnsüchtigen Blick zurück – Vivana verabschiedete sich von ihm mit einem gehauchten Kuss.

Freitag, 8. August 2014

Die Trolljagd - Kapitel 3: Söldner und Scharlatane

Inzwischen war die Nacht hereingebrochen. Unsere nicht immer ganz so einträchtige Runde um das Lagerfeuer wurde jäh von Pferdegetrappel unterbrochen. Drei Reiter jagten ihre Pferde in vollem Galopp auf den Markplatz zu. Dort angekommen machten sie abrupt Halt und sprangen ab. Die Pferde keuchten vor Erschöpfung.

„Horcht! Horcht!“, schrien sie bis sich eine größere Menge um sie herum versammelt hatte. Auch einige Mitglieder der Söldnerbande waren zugegen.
Einer der Reiterboten berichtete atemlos: „Wir kommen aus Schaynwayle. Die Stadt wird von Trollen angegriffen. Wir befinden uns im Krieg mit den Trollen! Wir brauchen jede Unterstützung, die wir kriegen können! Alle Freiwilligen mögen sich bis Tagesanbruch hier auf dem Marktplatz sammeln!“

Edwen erklärte, dass es sich bei Schaynwayle um ein kleines Grenzstädtchen im Norden handelte. Sie hatten nur eine kleine Garnison, die einem Trollangriff nicht lange standhalten würde. Wir waren uns uneins, ob wir uns dem Feldzug gegen die Trolle anschließen sollten. Einer unserer Gefährten war schließlich ein Troll - sollte er denn gegen sein eigenes Volk zu Felde ziehen? Wir wussten um Urotas Stärke, was sollte man da gegen eine ganze Trollarmee ausrichten?

Immer mehr Leute kamen auf den Marktplatz. Anneliese wies uns auf einen Krämer hin, bei dem sie einen Zauberstein gekauft hatte. Er war in ein Gespräch mit Halar, dem Anführer der Söldner, vertieft. Die beiden schüttelten sich die Hände. Der Krämer Irozan hatte wohl ein gewinnbringendes Geschäft abgeschlossen.

Vivanas Augen waren auch die Söldnertruppe fixiert. Einer der Söldner mit einer Augenklappe zwinkerte ihr zu. Ich sah, wie sich ihre Gesichtsfarbe von ihrem natürlichen Gelbton in ein leuchtendes Rot verwandelte…

Wir einigten uns schließlich darauf, als Gruppe zusammenzubleiben und den Menschen in Schaynwayle zu helfen. Wir mussten Tarso noch von unserem Entschluss unterrichten. Er bot uns zwei seiner Wagen und Pferde an.
„Bringt sie mir heil zurück, oder ich muss euch 100 Silberlinge pro Wagen und Pferd in Rechnung stellen!“

In aller Früh brachen wir unter der Führung eines Reiterboten in Richtung Norden auf. Zu unserem Tross gehörten acht der gut bewaffneten Söldner und der von Widun als Scharlatan bezeichnete Irozan. Viele der Händler standen vor ihren Zelten und schauten uns nach. Wir kamen auch an einem Zirkuszelt vorbei. Ein zweiköpfiger Schrat blickte daraus hervor und lächelte uns zu.

Als die Sonne unterging machten wir Halt. Ein bärtiger Söldner machte Feuer, zwei andere übernahmen die erste Nachtwache, dann waren Vivana und Tarkin an der Reihe. Wir saßen am Lagerfeuer. Der Söldner, der das Feuer schürte, stellte sich uns als Zottelbart vor. „Eigentlich nicht mein richtiger Name, aber alle nennen mich so“, lachte er.
Er wandte sich an Urota.
„Was macht so ein Hügeltroll wie du in menschlicher Gesellschaft?“, wollte er von ihm wissen.

Urota hatte inzwischen so viel der Gemeinen Sprache erlernt, dass er ihn verstand und – etwas unverständlich zwar – auch antworten konnte.
„Hexenmeister mich verkaufen – soll sterben! Böse Tekk mich versklaven - Menschen mich befreien, dankbar!“

„Mutig von euch mit so einem Troll zu reisen“, wandte sich Zottelbart an den Rest der Gruppe.
„Ich will euch etwas über Trolle erzählen. So weit mir aus Askalon bekannt ist, können sie sehr alt werden, man schätzt so 500 Jahre. Und sie wachsen ihr ganzes Leben lang. Was sie an Körpergröße zulegen, bauen sie an Geisteskraft ab. Es wird von Trollriesen berichtet, die dem Wahnsinn anheim gefallen sind. Zum Glück bin ich noch keinem über den Weg gelaufen... eine solche Begegnung soll meist tödlich enden!“

Saradar fragte in die Runde, ob Trolle irgendwelche bekannten Schwachstellen hätten. Dann fiel sein Blick auf Urota. Er musterte ihn eindringlich bis dieser schließlich mit einem bösen Blick zurückstarrte.

Nachdenklich antwortete der Söldner.
„Na ja, sie haben eine dicke Haut und sind deshalb schwer zu verletzen. Aber stecht ihnen ins Herz oder schlagt ihnen den Kopf ab, dann stehen sie wahrscheinlich nicht wieder auf. Irgendwas war noch mit ihrem Blut ... will mir gerade nicht einfallen.“

Widun hatte sich inzwischen, dank mehrerer Krüge Schratenbier, mit ein paar Söldnern angefreundet.

Nach einer ruhigen Nacht und unbeschwerten Weiterreise, erreichten wir die Stadtmauer von Schaynwayle. Zu unserer Verwunderung öffnete sich das Stadttor – und der Ratsherr der Stadt, ein Syr Goreck, stand vor uns. Er berichtete, dass es ihnen gelungen war, ein Eindringen der Trolle zu verhindern. Sie seien in Richtung Westen verschwunden. Er berichtete, dass es um die 50 Trolle gewesen sein mussten, und dass ein riesiges Monster darunter gewesen sei, das es fast geschafft habe, das Stadttor aufzubrechen.
„Wir wollen 50 Reiter losschicken, um die Trolle zu jagen und die Bedrohung ein für alle Mal zu beenden! Schließt Ihr Euch an?“

Währenddessen sah ich, wie sich der Scharlatan und ein dicker Söldner, der von allen zurecht Fass genannt wurde, unterhielten. Ich konnte nur das Wort 'Trollblut' aufschnappen.
Tarkin hatte inzwischen mitbekommen, dass sich einer der Söldner namens Tanz sehr für unseren Barden interessierte und konnte sich natürlich eine diesbezügliche Anspielung nicht entgehen lassen.
„Na, Saradar, hast du schon den Preis für den Weinschlauch mit Tanz ausgehandelt?“

Während Saradar und Widun in der Stadt ihre Vorräte an geistreichen Getränken aufstockten, brach der Reitertrupp Schaeynwayles mit den Söldnern auf. Wir folgten ihren Spuren nach einer erneuten Auseinandersetzung, ob wir es überhaupt mit dieser Trollarmee aufnehmen sollten. Mit Einbruch der Nacht suchten wir Unterschlupf in einer Höhle. Anneliese entfachte ein Feuer, während sich Tarkin auf einem Hügel postierte.

Nach einer Weile trat ohne Vorwarnung eine dunkle Gestalt in unsere Höhle. Mit einem Arm hatte sie sich Tarkin vor die Brust geklemmt, mit dem anderen hielt sie ihm eine Klinge an den Hals.
„Macht sofort das Feuer aus! Wollt ihr etwa die Trolle hierher locken?“, zischte sie uns an. Bei der Gestalt handelte sich um einen Söldner namens Mond. Ich konnte nur seine dunklen Augen erkennen, da der Rest des Gesichts durch einen Helm verdeckt wurde. Nachdem auch unser Schnarchtroll endlich wach war, folgten wir Mond.

Er führte uns sicher ins Lager der Söldner. Ein Söldner namens Speer zeigte beim Eintreffen auf Urota.
„Was sollen wir mit dem da machen?“

„Ich wüsste da schon was!“, rief Fass und strich dabei mit seinem Finger quer über den Hals.

Widun schritt ein: „Das ist unser Gefährte. Er hat tapfer mit uns gekämpft!“

Speer wandte ein: „Jetzt geht es aber gegen sein eigenes Volk!“

Widun entgegnete: „Na und, wie viele Menschen habt Ihr denn schon getötet?“

Auf diese Gegenfrage hin brach bei den Söldnern Gelächter aus, und die Lage entspannte sich schlagartig. Wir sollten uns zu ihnen setzen und ein Bier mit ihnen trinken. Während die anderen ihre Furcht betäubten, schaute ich mir diese Gestalten etwas genauer an.
Ich konnte beobachten, wie sich der Söldner mit der Augenklappe, der wohl Tarquan hieß, an Vivana ranmachte.
„Trinkt Ihr einen Becher Wein mit mir? Morgen könnten wir alle tot sein!“
Nach einer Weile sah ich, wie die beiden wild küssend und sich befummelnd in einem Zelt verschwanden.
Der dicke Söldner hatte es ebenfalls mitbekommen und rief lachend: „Gleich wird sie wissen, warum er auch Pferd genannt wird!“
Das ließ die Söldner ihre Achtsamkeit vergessen und sie brachen in lautes Gelächter aus.
Mir war hingegen nicht zum Lachen zumute. Langsam kroch mir die Angst in die Knochen.

Die Trolljagd - Kapitel 2: Von Goblins und Wieseln

Saradar: „Bei den askalonischen Soldaten war es anfangs ja ganz nett. Es gab reichlich Bier, wir vertrieben uns die Zeit mit Glücksspielen und für die anderen Dinge, die ein Mann zum Glücklichsein braucht, war ebenfalls gesorgt…“
Dabei grinste er Vivana an.

„Das Ganze wurde ab und an durch ein Scharmützel mit den Ul’Hukk unterbrochen. Zwei Monde brachte ich so zu, aber irgendwann schleicht sich ein Gefühl der Trägheit in die Arme, beginnt auch das beste Bier schal zu schmecken, eine Glückssträhne reißt ab und man kennt alle Frauen im Lager, manche besser als man eigentlich beabsichtigt hat …“

„Na, dann hoffe ich mal, dass du dir da nichts geholt hast“, gab ihm Vivana mit einem Augenzwinkern zurück.

„Eines Nachts erklang das Horn der Wächter. Diese schwachsinnigen Ul’Hukk versuchten wieder mit einer Gruppe Speerträgern und einer Säbelzahnechse den Wall einzunehmen. Das sind natürlich keine Gegner für einen Khor’Namar, einen Sohn des Windes.“
Saradar auf dem Schlachtfeld.

„Jetzt übertreib’ aber mal nicht!“, warf Tarkin ein.

Saradar ignorierte den Kobold: „Einige meiner Mitstreiter fielen im Gefecht, das waren gerade diejenigen, mit denen ich so manchen Abend beim Würfeln und Saufen zugebracht hatte. Da wurde mir klar, dass ich dort keinen Ruhm ernten kann, dass über diese Taten keine Heldenlieder gesungen werden … Eilig packte ich meine Sachen und verließ das Lager beim Ruf des ersten Nachtwolfes. Ich hab‘ mir dann so einen alten Kelari-Hengst geschnappt, der leider seine besten Tage schon hinter sich hatte - für den interessierte sich sowieso niemand mehr. Die Lichter des Soldatenlagers verschwanden hinter mir, ich hatte jedoch immer den Eindruck, als ob mich etwas verfolge. In einer Höhle fand ich Unterschlupf und Wasser für mein Pferd. Die Winde trieben mich in den Norden. Als es dunkel wurde, kam ich zu einem kleinen Wäldchen, aus dem mir Feuerschein entgegenflackerte. Ich band mein Pferd an einem Baum in sicherer Entfernung fest und näherte mich lautlos dem Feuer. Kriechend kam ich so nah heran, dass ich erkennen konnte, wer es sich da um das Feuer gemütlich gemacht hatte: Es war eine Bande Goblins, die sich gerade ein kleines Tier über dem Feuer grillten. Plötzlich hörte ich ein lautes Knurren, ich dachte zuerst, dass das mein Magen sei, doch dann sprang ein Schatten auf mich zu - ich konnte nur noch gefletschte Zähne erkennen. Nun ging alles ganz schnell: Ich packte das Etwas unter meinen rechten Arm und würgte solange, bis es nicht mehr zappelte. Jetzt erkannte ich: Es war ein Nachtwolf, der mich da angegriffen hatte.“ Bei diesen Worten deutet er auf das dunkle Fell, das er umhängen hat: "Das konnte ich natürlich nicht zurücklassen!"

„Haben die Goblins etwas davon mitbekommen?“, wollte ich wissen.

„Diese Feiglinge sind davongerannt. Vom Duft des Bratens angelockt, näherte ich mich der Feuerstelle. Plötzlich vernahm ich ein eigentümliches Wimmern. Zwischen den zerlumpten Sachen der Goblins, die sie in Panik zurückgelassen hatten, fand ich ein kleines, hilfloses Wiesel, das ich doch so nicht zurücklassen konnte! Seine Mama hatten die Goblins schließlich bereits verspeist."

Tarkin: "Und jetzt bist du seine Ersatzmama!", lachte der Kobold.

Saradar: „Das Babywiesel jammerte die ganze Zeit. Ich traf schließlich auf einen Schafhirten, der mir etwas Milch abfüllte. Er wollte als Dank eine Geschichte von mir hören, und ich erzählte ihm von unserer Flucht vor den Ul’Hukk durch das Feld der tausend Tode. Er erzählte mir wiederum von Trollüberfällen im Norden. Ein Gedanken keimte in mir: So sollte sich denn im Kampf mit Trollen mein Schicksal erfüllen, und der Ruhm wieder Einzug in mein Herz halten!“

„Wie pathetisch!“, kam es da von Anneliese.

„Auf meinem Weg nach Norden traf ich schließlich auf einen Bauern, der mich zum Nordmarkt begleitete, tja, und dann wäre ich beinahe auf diesen Kobold da getreten“ - damit war Tarkin gemeint.

Tarkin: „Was für ein lausiges Abenteuer - hast einen alten Gaul geklaut, einen Wolf gewürgt, der wahrscheinlich auch altersschwach war und ein paar Goblins das Abendessen entführt. Damit kommst du nie in Osirs Halle der Krieger!“