Samstag, 26. April 2014

Die Plage - Kapitel 8: Der Kampf mit dem Rattenkönig

Eine der Riesenratten schnappte nach Tarkin und verfehlte ihn - Urota hatte weniger Glück, die scharfen Zähne der anderen Riesenratte schugen ihm eine tiefe Wunde. Tarkin traf mit seinem Kurzschwert. Urota rächte sich für den Angriff und erschlug das Monster mit einem gewaltigen Hieb seines Riesenknochens. Edwen hatte Schwierigkeiten, die wendigen Bestien mit seiner Axt zu erwischen - er sah etwas hilflos aus.

Aus Annelieses Richtung sah ich Flammen auflodern - die dann aber sofort wieder erloschen, ohne dass ein Feuerstrahl folgte.

Widun kippte sich kurz etwas hinter die Binde und begann zu beten - vier der Ratten bewegten sich plötzlich unbeholfen wankend - Mnamn sei Dank!

Auch unser Trollwächter beteiligte sich am Kampf. Es blieb ihm letztlich keine andere Wahl, wenn er hier überleben wollte. Die Biester schienen durch seine polierte Rüstung angelockt zu werden, sie stürzten sich in Scharen auf ihn. Er konnte sie nicht abschütteln und schrie vor Schmerzen, als er mehrfach gebissen wurde.

Weitere Ratten drängten auf Urota ein - aus seiner Richtung kam ein Fluchen - ich sah, wie sich zwei in seine Zehen verbissen hatten - was mir zum Glück nicht passieren konnte.
Edwen hatte sich inzwischen auf das Hin und Her der Ratten eingestellt und eine der Reißzahnratten mit seiner Axt entzwei gespalten.

Während sich alle anderen auf die Ratten konzentriert hatten, hatte ich den Rattenmann nicht aus den Augen gelassen. Er schien mit seiner Querflöte mehr Macht über die Ratten zu haben, als sie mir Ianna gewähren konnte. Meine Hirtenflöte war leider in den Wäldern verloren gegangen, als mich der Fallensteller erwischt hatte, ansonsten hätte ich es in einem Flötenduell mit ihm aufnehmen können. Irgendwie musste ich ihn daran hindern, weiter zu flöten. Durch ein Gebet ließ ich Klettenkraut wachsen - diesmal hatte ich damit mehr Glück als beim letzten Mal und erwischte den Rattenmann mit einem gezielten Wurf. Er war sichtlich irritiert und versuchte das Kraut abzuschütteln.

Urota kannte keine Gnade und haute mit dem Knochen auf die Ratten an seinen Zehen - diese waren Matsch - seine Zehen hatte er jedoch auch erwischt - was ein erneutes lautes Fluchen und einbeiniges Hüpfen zur Folge hatte.

Anneliese betätigte sich wieder als Flammenwerfer - ein für eine Koboldin sehr eindrückliches "Singi Sidar Tiron" hallte durch den Thronsaal des Rattenkönigs und der hervorgerufene Feuerstrahl grillte gleich drei Ratten auf einmal. Tarkin war von dem resultierenden Grillaroma sichtlich begeistert - und abgelenkt - denn er schlug ins Leere.
Widun legte sich plötzlich ausgestreckt auf den Boden… und sprach mit den Steinen… nichts passierte. Betete er oder war er nur sturzbesoffen?

Der Rattenmann hatte es doch tatsächlich geschafft, die seltsame Flöte wieder an den Mund zu kriegen - er begann wieder diese unheimliche Melodie zu spielen - neue Ratten drängten aus allen Winkeln heran.

Edwen beschäftigte sich mit der verbliebenen Riesenratte und hatte gerade seine Axt in ihren Rücken versenkt. Eine Aasratte sprang auf mich zu - bevor sie mich beißen konnte, hatte ich sie mit meinem Dolch aufgespießt.

Ich sah, wie Urota den Kurzbogen von Jel hervorholte und auf den Rattenmann anlegte - der Pfeil zischte nur knapp an Edwen vorbei - und verfehlte auch den Rattenmann. Dieser wich aber erschrocken ein Stück zurück und stellte sein Flötenspiel ein.
Die Riesenratte hatte sich jetzt auf die Stadtwache gestürzt - Edwen wurde ein Stück mitgeschleift, da er seine Axt fest umklammert hielt, die sich im Rattenrücken scheinbar verkantet hatte.

Anneliese zog sich etwas zurück - sie vermeldete uns, dass ihre Aura erschöpft sei.
Edwen rief verzweifelt: "Wir müssen die Quelle ausschalten!"
Er hatte seine Axt inzwischen wieder aus der riesigen Ratte herausgezogen und stürzte sich auf die Halbglatze. Tarkin sprang mit erhobenem Schwert auf die Riesenratte und stach ihr von hinten in den Kopf. Ein Röcheln - und sie sackte endlich zu Boden.

Der Rattenmann erkannte, dass ihm jetzt unsere volle Aufmerksamkeit galt und zog sein rostiges Kurzschwert hervor. Anneliese versuchte die Gelegenheit zu nutzen und ihm die Flöte zu stehlen - sie musste aber erkennen, dass der gesamte Leib des Mannes von Ratten bedeckt war, die sie wütend anfauchten, als sie dem Rattenkönig zu nah kam.

Von der Seite stürzten sich mehrere Ratten auf Edwen - er wurde schwer verwundet. Ich eilte hinzu und konnte ihm nur ein wenig Lebenskraft durch Iannas Hilfe zurückgeben - der sonst so starke Axtkrieger konnte sich kaum noch auf den Beinen halten.

Tarkin, Urota und Widun beschäftigten sich mit den verbliebenen Ratten und dezimierten sie nach und nach. Tarkin griff sich plötzlich eine der getöteten Ratten und warf sie Edwen zu.
"Da, iss!"
Die Ratte landete mehrere Schritte von Edwen entfernt auf dem Boden.
"Was soll das? Sehe ich etwa aus wie ein Garbag?"

Anneliese gab nicht auf - sie wich geschickt den Rattenbissen und den Hieben des Rattenmannes aus - doch an seine Flöte ließ er sie nicht ran.
"Verschwinde, du kleiner Dreckskobold!"
Rattenmann.

Auch Tarkin drängte jetzt auch auf ihn ein.
"Noch so ein Dreckskobold!", schrie der Rattenmann ihn an und drosch mit seinem Schwert auf ihn ein.

Ich sah, wie er Schritt um Schritt in die Dunkelheit zurückwich - bestimmt gab es hier irgendwo eine Geheimtür, durch die er verschwinden wollte.
Ich konzentrierte mich und betete an die Erdmutter - ein Waldgeist erschien hinter dem Rattenmann. Da er ihn nicht sah, war er zunächst auch nicht beeindruckt von dessen leuchtend grünen Augen und ging weiter im Rückwärtsgang.
Im Umdrehen erwischte er unsere Kobolddame mit einem gemeinen Hieb - sie blutete am Arm. Das war Edwen zuviel - obwohl auch er verwundet war, nahm er ihn von hinten in den Schwitzkasten. Tarkin nutzte diese Gelegenheit für seinen berüchtigten verhängnisvollen Kopfstoß - beim Rattenmann gingen erst einmal die Lichter aus.
Der Waldgeist verflüchtigte sich so schnell, wie er erschienen war.

Ich griff mir die Querflöte, die der Rattenfänger auf dem Weg ins Land der Träume hatte fallen lassen. Wer wusste schon, wozu ich die nochmal gebrauchen könnte.

Tarkin nahm sich einen der herumliegenden Leinensäcke und sammelte ein paar Ratten ein.
"Für später."

"Ruhe! Ich höre etwas!", meldete sich Anneliese plötzlich. Tatsächlich, jetzt hörte ich es auch. Ein leises Wimmern.

Wir suchten den Thronsaal ab und entdeckten einen großen Holzverschlag in einem Teil, der die ganze Zeit im Dunkeln gelegen hatte. Für Urota war es ein Leichtes ihn aufzubrechen. Weinend stürzten sich uns zwei Mädchen und zwei Jungen entgegen - die vermissten Kinder - wir hatten sie tatsächlich gefunden! Ich hatte schon das Schlimmste befürchtet - nämlich dass sie ein Fraß der Ratten geworden sein könnten!

Hinter dem Verschlag öffnete sich eine Höhle - in den Wänden waren Alkoven - Rattennester wie wir erkennen mussten. Ich wollte nicht wissen, wie viele Ratten hier noch auf uns lauerten. Nach kurzer Beratung entschlossen wir uns dazu, die Nester auszuräuchern. Edwen und Urota schlugen das Holz vom Verschlag in brauchbare Stücke, und wir errichteten einen Stapel in der Mitte der Höhle. Die meisten Ratten schienen zu schlafen - scheinbar waren die Ratten, die uns angegriffen hatten, erst durch das Flötenspiel erweckt worden.

Mit Tarkins Öllampe setzten wir den Stapel in Brand, nahmen die Kinder an die Hand und flüchteten aus der Kanalisation. Hinter uns ertönte ein Konzert aus quiekenden Todesschreien - die hoffentlich vom Ende der Plage Altems kündeten.

Urota hatte sich den Verursacher des ganzen Übels unter den Arm gepackt. Er sollte sich vor dem Rat und der ganzen Stadt für seine Taten verantworten!

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Der Rattenfänger war mittlerweile gefesselt. Wir führten ihn dem Ratsherrn vor.
"Ich erkenne dich wieder, Rattenfänger, hast ein falsches Spiel mit uns getrieben! Du wirst eine gerechte Strafe für deine Vergehen erhalten!"
Die Stadtwachen führten ihn ab. Der Ratsherr rief den Notor hinzu und beriet sich mit ihm.
"Wie ich hörte, habt ihr auch ein großes Rattennest ausgeräuchert und konntet vier Kinder befreien. Wie vereinbart erhaltet ihr eine Belohnung für eure Dienste!"
Jeder von uns bekam 25 Silberlinge.

Tarkin und Anneliese hielten die Kinder noch an der Hand. Sie sahen ausgehungert aus und kniffen wegen der ungewohnten Helligkeit die Augen zusammen, schienen aber ansonsten gesund zu sein. Unter den Kindern war neben dem verschwundenen Pferdejungen auch die Tochter von Syr Kym. Edwen und die Kobolde brachten sie zum Weinenden Raben, wo bestimmt nicht nur dem Namensgeber die Tränen in den Augen stehen würden.

Widun und ich suchten währenddessen das Badehaus auf, um endlich den Gestank der Kanalisation wieder los zu werden. Im heißen Zuber hieß es erst einmal entspannen.

Wir trafen uns schließlich abends im Lager wieder. Edwen teilte die 35 Silberlinge auf, die uns der alte Ritter aus Dankbarkeit gezahlt hatte. Anneliese hatte sich inzwischen vom Gerber einen Wolfsmantel aus dem angebrannten Fell des Silberwolfes fertigen lassen. Tarkin trug neuerdings eine Halskette aus Reißzahnratten-Zähnen.

Wir schauten nach Vivana - sie schlief im Zelt auf den Wolfsfellen. Hoffentlich würde es ihr morgen wieder besser gehen.

Freitag, 18. April 2014

Die Plage - Kapitel 7: Das Reich der Ratten

Ich konnte nichts mehr sehen, als ich nach dem Abstieg aus dem hellen Tageslicht den Boden der Kanalisation erreicht hatte. Meine Augen mussten sich erst an die Dunkelheit gewöhnen. Die von Tarkin mitgebrachte Laterne beleuchtete die Gänge nur spärlich. Ich erkannte, dass die Decke von Rundbögen gebildet wurde, überall an den Wänden waren kleine Öffnungen, aus denen sich Wasser und Fäkalien in den Kanal in der Mitte des Ganges entleerten. Der Gestank, der von der grün-braunen Brühe aufstieg, war kaum auszuhalten. Ich hörte Tropfgeräusche, ab und zu auch ein Plätschern oder Gurgeln. Urota musste sich bücken, um sich nicht den Kopf anzustoßen. Mir kam es so vor, als sei er in der Zwischenzeit ein ganzes Stück gewachsen - an den Wagen der Tekk gekettet war er mir viel kleiner vorgekommen.
Er bemerkte meinen Blick.
"Menschen komisch, bauen Wege für Kot - aber nicht für Urota!"

Die Stadtwache war hinter ihm kaum zu erkennen, ich sah nur die Lichtreflexe seiner polierten Rüstung an den Wänden. Seine Hellebarde hatte er zurücklassen müssen, da sie zu sperrig war in den engen Kanälen. Er hielt stattdessen sein Schwert gezückt.
Widun und ich beteten zu unseren Göttern, um uns ihrer Gunst zu versichern. Wer wusste schon, was für Dinge da im Dunkeln auf uns lauern würden.

Wir zogen die Karte des Notors zu Rate und entschieden uns für einen Weg, der uns zu einem großen Raum führen musste.

Der Boden war glitschig, an einigen Stellen lag Rattendreck. Bisher hatte sich überraschenderweise noch keins der Biester blicken lassen.

Nach unzähligen Abzweigungen waren wir uns nicht mehr sicher, ob wir noch auf dem geplanten Weg waren. Einige Gänge waren verschüttet, und wir stießen auf große Öffnungen, die nicht auf der Karte verzeichnet waren. Leider hatte keiner von uns daran gedacht, Markierungen anzubringen, damit wir leichter den Weg zurückfinden würden. Tarkin musste die Laterne herunterdrehen, um Öl zu sparen. Inzwischen hatten sich meine Augen zum Glück der spärlichen Beleuchtung angepasst.

Plötzlich hörten wir ein Schmatzen und dann ein Knacken wie von brechenden Knochen. Durch den Hall war es schwierig, die Richtung auszumachen, aus der das Geräusch kam.

Wir bogen um eine Ecke, als unser Lichtschein auf etwas fiel, das dort am Boden kauerte. Es erhob einen Arm, um seine Augen vor dem Licht zu schützen. Es sah entfernt aus wie ein Mensch - nur mit fahler Haut und aufgetriebenem Bauch. Der Schädel war haarlos. Es war unbekleidet bis auf einen kleinen Lendenschurz. Neben ihm lag ein Sack, aus dem ein langer Rattenschwanz ragte.

Die Stadtwache schrie: "Da ist er ja, dieser Rattendämon!"
Er wollte sich auf ihn stürzen.
Edwen gebot ihm Einhalt.
"Nein! Haltet euch zurück! Das ist kein Rattendämon, sondern ein Garbag, ein verfluchter - und sehr bedauernswerter - Mensch!"

Garbag (Zeichnung mit Genehmigung von Bill Gage).

"Wo sind die Kinder?", wollte Anneliese wissen.
Der Garbag fragte zurück: "Kinder? Was ist Kinder? Ratten! Ratten lecker!"
Der Blick seiner hohlen Augen fiel auf Anneliese.
"Kobold auch gut".
Er leckte sich über die blassen Lippen.
Widun und ich versuchten es noch einmal.
"Kinder - kleine Menschen - wenn du uns hilfst, sie zu finden, bekommst du alle Ratten, die wir töten!"
"Ratten - lecker!"
Blitzschnell drehte er sich um und hoppelte den Gang hinunter. Wir hatten Mühe, ihn nicht aus den Augen zu verlieren. Dann hielt er plötzlich inne und nahm eine tote Aasratte auf.
"Saftig!"
Er steckte sie in seinen Beutel und erntete dabei einen neidischen Blick von Tarkin.

Einige Schritt weiter mischte sich eine süßliche Note in den Kanalisationsgestank. Dann sahen wir es. Da lag eine ausgestreckte Gestalt, fast bis auf die Knochen abgenagt, die Stofffetzen ließen noch ein bunt-kariertes Muster erkennen.
"Ah
a, deshalb riecht es hier also so komisch!", meinte Widun trocken.

Auf den zweiten Blick fiel uns auf, dass er etwas umklammert hielt - eine kleine Holzkiste. Tarkin löste sie vorsichtig aus den starren Fingern. Er und Urota versuchten vergeblich sie zu öffnen. Vivana hätte sie sicher aufbekommen.
"Gebt mal her!"
Edwen schaffte es schließlich, sie mit seiner Axt aufzuhebeln. Es fielen 50 Silberlinge heraus.
"Jetzt erkenne ich ihn!", rief die Stadtwache aus.
"Dieser verweste Gaukler da, das war einer der Rattenfänger, die der Rat beauftragt hat, sich um die Plage zu kümmern."
Während wir durch das Funkeln der Silberlinge und die Stadtwache abgelenkt waren, musste sich der Garbag heimlich auf und davon gemacht haben.

Wir folgten dem Gang - und stießen auf immer mehr Rattendreck. Schließlich mussten wir aufpassen, auf den Exkrementen nicht auszurutschen. Dann passierte es doch. Widun und ich landeten in der braunen Brühe. Nur mit Mühe konnten wir uns wieder auf den Weg hochziehen, beide bis auf die Knochen durchtränkt. Edwen hielt sich demonstrativ die Nase zu: "So muss Maliques Mageninhalt riechen!"

"Während meines Sturzes habe ich oben in der Decke eine schmale Öffnung gesehen!", stellte Widun überraschenderweise fest. Tarkin richtete die Öllampe in die Richtung, in die Widun zeigte. An der Wand waren hunderte Rattenspuren zu sehen.
"Ich denke, wir nähern uns dem Rattenversteck", meinte Edwen, als das flackernde Licht einen schmalen Gang offenbarte. Urota und Edwen halfen dem Kleinvolk in die Öffnung. Anneliese, unsere Kobold-Magierin kroch voraus. Ich hörte noch den Ausruf "Eine Ratte!" aus dem Gang, dann folgten eine magische Formel, ein Aufflackern und ein schmerzerfüllter Todesschrei.

Urota half uns per Räuberleiter hoch, schließlich zogen wir auch ihn mit Mühe durch die Öffnung. Der enge Verbindungsgang war zum Glück nicht sehr lang. Wir drückten uns durch den Ausgang und standen vor einem Trümmerfeld. Da war ein altes, mit Brettern verbarrikadiertes Tor. Zwischen den Brettern drang Fackelschein hindurch. Das schien der einzige Durchgang zu sein. Urota begann damit, die Trümmer beiseite zu räumen. Jenseits des Tores erklang plötzlich eine Melodie. Dann folgte eine kurze Stille, die jedoch jäh von einem mehrstimmigen Quieken beendet wurde.

Von allen Seiten strömten Ratten auf uns ein. Ich sah wie Edwen eine Ratte abschüttelte. Gleich drei Ratten hatten es auf Anneliese abgesehen - sie setzte einen halben Tekk-Speer ein, um die Biester auf Abstand zu halten.

Ich versuchte es nochmal mit dem Gebet an Ianna, das schon einmal Wunder gewirkt hatte. Und tatsächlich, die Ratten suchten das Weite. Mittlerweile hatte Urota den letzten Felsbrocken mit großer Anstrengung weggerollt und das Tor war frei.

Als es sich öffnete, bot sich uns ein seltsamer Anblick.
Vor einem kleinen Lagerfeuer, das die große Kammer nur spärlich ausleuchtete, saß eine in Lumpen gehüllte Gestalt, die eine seltsame Flöte in der Hand hielt. Ihr Schädel war auf der einen Seite kahl, auf der anderen Seite hingen ihr lange Haare herunter. Ihre gelben Augen glotzen uns zornig an, als wir nähertraten.

"Das ist der andere Rattenfänger, den wir beauftragt haben!", stellte die Stadtwache fest. Er zeigte drohend mit dem Schwert auf ihn.

"Ihr Narren!", brüllte der vermeintliche Rattenfänger uns entgegen.
"Glaubt ihr wirklich, ihr könnt es mit dem König der Ratten aufnehmen?"
Mit diesen Worten setzte er die Flöte an die Lippen und begann eine säuselnde Melodie zu spielen.

Aus allen Richtungen ertönte ein ohrenbetäubendes Fauchen und Quieken. Dann kamen sie - eine wahre Rattenflut stürzte auf uns herein. Darunter erkannte ich zwei riesige Biester, die Edwen bis an die Schulter reichten. Einige Ratten hatten Beulen, aus denen dunkles Sekret troff. Wieder andere hatten lange Zähne, die weit aus ihren Mäulern ragten.
Tarkin hat die Ratten-Arten katalogisiert - aus kulinarischen Gründen.

Mittwoch, 16. April 2014

Die Plage - Kapitel 6: Der weinende Rabe

Nach einer langen Nacht im Kerker erschienen am nächsten Morgen endlich unsere Gefährten in Begleitung einer Stadtwache und befreiten uns. Urota hatte die Haft wenig ausgemacht, zumindest er war ausgeruht nach einem erholsamen Schlaf - der mir aufgrund seines ohrenbetäubenden Schnarchens nicht vergönnt gewesen war. Leider hatte mir Ianna nur einmal zwischen zwei Sonnenaufgängen die Gabe verliehen, mich in ein Tier und wieder zurück zu verwandeln … Als Eichhörnchen wäre ich längst durch die Gitterstäbe geschlüpft!

Widun berichtete uns, was in der Nacht noch vorgefallen war.
"Wir haben auf euch gewartet, aber irgendwann ist es uns zu unheimlich geworden in den Kanälen, ganz abgesehen vom Gestank. Wir sind ins Karawanenlager zurückgekehrt und haben euch dort nicht vorgefunden. Aus Tarsos Zelt drang noch Licht, wir wollten hineingehen, aber da trat uns ein Schatten entgegen."

Mit diesen Worten trat hinter Widun eine große, bärtige Gestalt hervor. Es war Edwen, der Axtkrieger, der uns aus der Hand der Tekk befreit hatte. Was für eine freudige Überraschung. Ich war glücklich, ihn wiederzusehen.

Edwen, der "Schattenmann".

"Eine Taube hat mir geflüstert, dass ihr meine Hilfe braucht", erzählte er uns.
"Außerdem habe ich meinen kleinen Kobold-Söldner vermisst", wandte er sich lächelnd an Tarkin und tätschelte ihm das Fell im Nacken, was diesem sichtlich unangenehm war.

"Wo ist Vivana?", wollte ich wissen.
"Oh! Ihr geht es gar nicht gut - sie muss sich irgendwie den Magen verdorben haben … sie war ganz grün im Gesicht, als ich sie zuletzt gesehen habe", berichtete Widun.
Anneliese beschimpfte Tarkin: "Bestimmt deine Schuld, weil du vor ihren Augen die Ratte geschluckt hast!"
"Quatsch! Was soll denn an einer Ratte eklig sein?", entgegnete Tarkin.

"Ruhe jetzt!" - Widun wollte mit seinem Bericht fortfahren: "Wir wollten euch suchen, aber die Stadtwachen haben uns wegen der Ausgangssperre daran gehindert. Zum Glück hatte Vivana den Siegelring des Notors" - war ja klar - "sodass wir nicht auch im Kerker landeten. Die Stadtwache empfahl uns, den Weinenden Raben aufzusuchen. Die Taverne heißt wohl so seit dem Erdbeben, vorher war das der Lachende Rabe, aber das nur nebenbei …"

"Wir dachten uns schon, dass euch die Stadtwache wegen der Ausgangssperre aufgegriffen hat und wollten den Soldaten überzeugen, uns zu euch zu führen. Dank meines Charmes konnte ich ihn zumindest überreden, uns in die Taverne zu begleiten. Bei einem guten Bier lockert sich bekanntlich die Zunge!"

"Ich fragte ihn, was denn eine Wache mit einem Hügeltroll anstellen würde. Er meinte, dass er ein solches Monster entweder verhaften oder töten würde …"

Urota reagierte gar nicht auf diese Äußerung - er hatte seinen Riesenknochen wiedergefunden und kratzte sich damit gerade den Rücken.

"Dann trat ein alter Ritter auf uns zu, der sich uns freundlich als Syr Kym vorstellte. Er erzählte uns verzweifelt, dass er seine Tochter suche. Er sei Witwer und komme aus Bel. Zusammen mit seiner Tochter sei er nach Altem gekommen, um Stoffe auszusuchen. Letzte Nacht sei seine Tochter dann verschwunden - er hatte keine Erklärung dafür, was passiert sein könnte - einfach weg. Man konnte es ihm ansehen - die Sorgen hatten bereits tiefe Furchen in seinem Gesicht hinterlassen. Er habe bereits den ganzen Tag nach ihr gesucht - keine Spur. Wegen der Gerüchte über einen Rattendämon befürchtet er das Schlimmste."

"Habt ihr ihm denn unsere Hilfe angeboten?", wollte ich wissen.
"Natürlich!", kam es im Chor zurück. "Er hat uns eine reichliche Belohnung versprochen, wenn wir ihm seine Tochter heil zurückbringen."

"Tja, und dann hat sich unser lieber Mnamn-Priester mehr dem Bier als dem Fragen gewidmet", warf Anneliese ein. "Die Stadtwache hat die Taverne wieder verlassen"
"Das stimmt so aber nicht!", verteidigte sich Widun.
"Und dann hat er sich von so einem verschrumpelten Schrat auch noch zum Glücksspiel überreden lassen!", hakte Anneliese nach.
"Wenigstes waren die Knochenwürfel auf meiner Seite!", schmunzelte Widun zufrieden und klimperte mit seinem Geldbeutel.

"Ich sehe, ihr habt euch ja eifrig bemüht, uns so schnell wie möglich aus dem Kerker zu holen!" - alle nickten, keiner hatte wohl den Sarkasmus in meiner Stimme bemerkt.

"Allerdings! Du glaubst gar nicht, wie schwer es heute Morgen war, den Ratsherrn Largo davon zu überzeugen, auch den Troll frei zu lassen", berichtete Tarkin und reichte mir meine Sachen. Ich streifte mir rasch ein Hemd über und legte den Gürtel mit meinem Dolch wieder an.
"Er lässt ihn nur frei, wenn eine Stadtwache uns begleitet, um ihn im Auge zu behalten."
Ich sah den argwöhnischen Blick des Soldaten, der den Troll tatsächlich keinen Moment aus den Augen velor und seine Hellebarde stets parat hielt.

Urota hatte scheinbar wiedermal nur die Hälfte verstanden, er lächelte bloß - noch etwas müde - und streckte sich mit einem lauten Gähnen.

Aus dem Rathaus kam eine gebückte Gestalt, deren weiße Haare in der Morgensonne glänzten. Es war Fugan, der Notor.
"Ich habe gehört, dass ihr nachts in die Kanäle hinabgestiegen seid!", schüttelte er den Kopf. "Das ist doch viel zu gefährlich! Nachts sind die Rattenbiester besonders aggressiv. Ich habe hier eine Karte für euch. Es ist ein alter Plan des Kanalsystems der Stadt. Ach, wir waren vor dem Beben so fortschrittlich, woanders wurde noch in die Gassen ... ihr wisst schon", räusperte er sich.
"Die Karte stammt natürlich aus der Zeit vor dem Beben, viele Gänge werden verschüttet sein - sicherlich auch ein Grund warum es hier so stinkt … andere wurden neu angelegt, bevor das hier mit der Rattenplage begann. Wenn ihr uns helft, die Rattenplage zu beseitigen und die Kinder zu finden, erhält jeder von euch 35 Silberlinge!"
Mit dieser Motivation und der Karte stiegen wir wieder in die Kanalisation hinab. Urota passte kaum durch die Öffnung zur Unterwelt. Vivana war diesmal nicht mit von der Partie, dafür begleiteten uns jetzt Edwen und - sehr widerwillig - ein Soldat der Stadtwache.

Mittwoch, 19. März 2014

Die Plage - Kapitel 5 - Der verschwundene Junge

Wir kehrten ins Karawanenlager zurück. Ein Mann trat uns aus dem Schatten entgegen. Es war Tarso, der Karawanenführer.
"Auf ein Wort", sprach er uns an.
"Ich hörte, dass ihr dem kranken Mädchen helfen konntet. Ich bin euch zu großem Dank verpflichtet, nicht auszudenken, was das für meine Geschäfte bedeutet hätte, wenn das Mädchen gestorben wäre! Leider ist während eurer Abwesenheit wieder etwas vorgefallen: der Junge, der sich immer um die Pferde kümmert, ist verschwunden. Tattert, der Talismanhändler, kam vorhin ganz aufgeregt zu mir, weil die Pferde vor Hunger und Durst wieherten. Ich würde mich freuen, wenn ihr euch darum kümmern könntet."

Wir hörten uns im Lager um. Hier hatte keiner so recht etwas vom Verschwinden des Jungen mitbekommen. Wir suchten die Umgebung ab. Aus einem erleuchteten Fenster am Marktplatz winkte uns eine alte Frau zu sich heran. Sie berichtete uns, dass sie eine bucklige Gestalt gesehen hätte, die keuchend in Richtung Kanalisation verschwunden war. Sie glaubte, dass das die Rattenkönigin gewesen sein könnte. Auf dem Stadtplan des Notors konnte sie uns den nächsten Eingang zur Kanalisation zeigen.

Es war stockfinster geworden. Wir kümmerten uns nicht um die Ausgangssperre und besorgten uns eine Laterne vor dem Betreten der Kanalisation. Bis auf Urota, der sich weiter im Lager versteckt halten musste, waren alle mit von der Partie. Der gusseiserne Kanaldeckel ließ sich leicht anheben. Tarkin leuchtete mit der Laterne in die Öffnung zur Unterwelt Altems. Wir sahen eine Leiter, die hinunter ins vermeintliche Verderben führte. Beim Hinabsteigen schlug uns ein scheußlicher Gestank entgegen. Unten angekommen, entschieden wir uns zunächst für den linken Gang, der jedoch nach hundert Schritten blind endete. Er war verschüttet, sicherlich eine Folge des früheren Erdbebens. Es blieb uns nichts anderes übrig, als kehrt zu machen. Beim Umdrehen bemerkten wir rote Augen, die uns aus der Dunkelheit anfunkelten. Als wir den Augen näher kommen, hörten wir ein Fauchen und Zähneknirschen.

Das mussten zehn Ratten sein, die sich da auf uns stürzten. Mir kam eine Idee. Als Druide der Ianna hatte ich schon oft kleine Tiere wie Häschen überzeugt mir Kunststücke zu zeigen. Ich hatte das bisher nie bei Ratten gemacht, aber einen Versuch war es wert. Ich richtete ein Stoßgebet an die Erdmutter - und tatsächlich - zumindest eine der Ratten gehorchte jetzt meinem Willen. Ich ließ sie eine feindliche Ratte beißen.

Eine Ratte attackierte Tarkin - er konnte sie abschütteln, bevor sie zubeißen konnte. Mit seinem Kurzschwert spießte er sie auf.

Jetzt hatte es das Rattenpack auf unseren Priester abgesehen. Drei von ihnen hatten sich in Widun verbissen, er versuchte vergeblich, sie los zu werden. Ianna war gnädig - nach einem weiteren Gebet ließen alle Ratten von uns ab und suchten das Weite.

Tarkin präsentierte uns seine aufgespießte Ratte wie eine Trophäe: "Ganz schön großes Vieh". Dann zog er sie am Schwanz von der Klinge herunter und ließ sie über seinem Mund baumeln. "Was hast du vor?", fragte ich angewidert. Nach den Worten "Ich kann sie doch nicht vergammeln lassen!" schluckte er sie im Ganzen hinunter. Vivana wurde ganz grün im Gesicht.

"Wir brauchen hier unten jede Unterstützung, die wir kriegen können", bemerkte Widun, der sich gerade mit einem Stück Wolfsfleisch stärkte: "Die Biester haben mir ganz schön zugesetzt, dabei waren es nur drei Ratten! Wer weiß, wie viele noch hier unten lauern!"“

Ich schlug vor, Urota als Unterstützung zu holen - Vorurteile der Stadtbewohner hin oder her. Mit den Worten: "Passt auf meine Sachen auf!", verwandelte ich mich wieder in ein Eichhörnchen, kletterte geschwind die Leiter hoch und rannte ins Karawanenlager zurück.

Es war nicht schwer zu erkennen, wo unser Hügeltroll schlief. Aus einem der Zelte, dessen Planen sich deutlich hoben und senkten, drang ein lautes, markerschütterndes Schnarchen. Vorsichtig strich ich dem Troll mit meinem plüschigen Schwanz über die Nase. Er nieste und schlug mit noch geschlossenen Augen in meine Richtung. Mit einem Rückwärtssalto konnte ich seinem Hieb knapp entgehen. Zum Glück war er jetzt wach und hatte erkannt, wer da vor ihm stand. Ich versuchte ihm zu erklären, was ich mit ihm vorhatte, bis mir aufging, dass er meine Zeichensprache wohl für den lustigen Tanz eines Eichhörnchens hält, als er unbeholfen begann, eine Melodie dazu zu pfeifen.

"O Skia, wirf Hirn vom Himmel!", dachte ich, als mir nichts anderes übrig blieb, als mich in meine Faungestalt zurück zu verwandeln - und das, obwohl meine Sachen noch in der Kanalisation lagen! Ich zerrte ihn an der Hand hinter mir her.

Wir hatten gerade den Marktplatz verlassen, als hinter uns Schritte und dann eine Stimme hallten: "Halt! Wer da?"
"Schnell, verstecken!", raunte ich Urota zu. Er bückte sich hinter ein Fass, das ihm leider nur bis zur Hüfte reichte. Ich fand auch kein vernünftiges Versteck - für die Straßenlaterne stand ich zu gut im Futter ...
Un-fass-bar - kein Versteck für einen Troll!

Da war auch schon der Soldat der Stadtwache, der seine im Laternenlicht aufblitzende Hellebarde auf meine nackte Brust richtete: „Was treibt Ihr hier? Es gilt die Ausgangssperre!“

Dann fiel sein Blick auf Urota und er wich ein paar Schritte zurück.
"Ist das ein Troll?", fragte er mit einem Kloß im Hals.
"Tritt hervor, du Unhold!", forderte der Wachsoldat mit schlotternden Knien, was durch das Klappern seiner Beinschienen deutlich zu hören war.
"Wo ist bloß das Siegel des Notors?", fragte ich mich, als die Spitze der Hellebarde wieder auf mich zeigte. Ich versuchte vergeblich, der Wache zu erklären, dass wir auf der Suche nach den verschwundenen Kindern waren. Es kam nur ein "Das könnt ihr morgen alles dem Ratsherrn erzählen!" zurück. Ich bat Ianna um etwas Klettenkraut - leider unterbrach mich die Wache, bevor ich mein Gebet vollenden konnte.
"Lass dein Gemurmel - hier wird nicht gezaubert - Ziegenmensch!"
Für Urota wäre es ein Leichtes gewesen, den verängstigten Soldaten auszuschalten, aber auch er hielt sich zurück - wir standen schließlich alle auf der gleichen Seite. Wir wurden zu einem Anbau des Rathauses geführt und in eine kleine Zelle gesperrt. Urota fiel schnell in einen tiefen Schlaf, während meine Ausbruchsideen ins Leere liefen. Jedes Stoßgebet wurde von der Wache unsanft unterbunden…
Uns blieb nichts anderes übrig als auf unsere Gefährten zu hoffen…

Samstag, 1. März 2014

Die Plage - Kapitel 4: Das Heilmittel

Im Wagen lag das Mädchen unter dicken Wolldecken - und zitterte. Diesmal untersuchte ich den Arm, der geblutet hatte, genauer: Ich erkannte eindeutig Bissspuren, die aussahen wie bei den toten Welpen. Sie war also auch von einer Ratte gebissen worden. Im Namen Iannas konnte ich ihren Zustand fürs Erste stabilisieren, sie brauchte aber einen richtigen Heiler. Tarso empfahl uns, zum Rathaus zu gehen. Widun und Tarkin machten sich sofort auf den Weg. Ich blieb bei dem kranken Mädchen. Vivana und Anneliese wollten das Wolfsfleisch braten, damit es nicht verderben würde. Das Mädchen hatte inzwischen aufgehört zu zittern, dafür fühlte sich ihre Stirn jetzt glühend heiß an. Ihr Vater und ich umwickelten ihre Waden mit nassen Leinenlappen. Mir kam es wie eine Ewigkeit vor, bis endlich Widun mit einem alten buckligen Mann zurückkam, der sich uns als Notor vorstellte. Widun berichtete kurz, wie er dank seines Charmes die Wachen vor dem Rathaus dazu gebracht hatte, ihn einzulassen. Tarkin hatte sich schon vorher vorbei geschlichen. Sie waren auf den Kämmerer getroffen, der sie aber habe abweisen wollen, weil sich der Ratsherr schon zu Bett begeben hätte. Er hatte ihn aber überzeugen können, dass es sich um eine sehr dringliche Angelegenheit handelte. Der gutmütige Ratsherr hatte dann sofort nach dem Notor schicken lassen. Leider gab es keinen richtigen Heiler mehr in der Stadt. Der letzte hatte wegen der Rattenplage fluchtartig die Stadt verlassen.

Widun lässt seinen Charme spielen...

Der Notor stellte sich vor: "Ich bin Fugan Tayn. Ich bin kein ausgebildeter Heiler, die Leute rufen mich aber, weil sie mich für weise halten … Nun ja, ich sehe ja tatsächlich aus wie eine alte Eule".
Der Vater des kranken Mädchens bettelt ihn um Hilfe an: "Weiser Notor, bitte helft meinem armen Mädchen. Sie wurde scheinbar von einer Ratte gebissen. Dieser Faun da hat versucht, sie zu heilen, aber jetzt ist sie im Fieberwahn."
Der Notor schaut sich die Bissstelle an: "Ja, tatsächlich, ein Rattenbiss. Das sehe ich hier in letzter Zeit öfters … Es gibt ein Heilmittel, aber es wird schwierig, das Mädchen zu retten - ich brauche dazu viele Zutaten! Leider hat mein Gedächtnis in letzter Zeit sehr nachgelassen … Ich muss in die Bücher schauen."
Mit diesen Worten verließ er unbeholfen den Wagen.

Nach einer Weile kehrte er zurück und überreichte uns einen Zettel und eine Karte: "Hier ist eine Liste mit den Zutaten, die ich für das Heilmittel benötige. Bei einigen Kräutern weiß ich, wo sie zu finden sind, ich habe sie für euch auf diesem Stadtplan markiert. Einzig für die Essigwurz müsst ihr die Stadt verlassen. Ich gebe euch ein Siegel mit, damit ihr ohne Schwierigkeiten an den Wachen vorbeikommt."

Wir teilten uns auf, um die Kräuter zu holen. Ich wollte mich um die Essigwurz kümmern und verwandelte mich dazu in meine Eichhörnchengestalt. Es war stockfinster geworden. Tarkin entzündete eine Fackel, Vivana bevorzugte dagegen die Dunkelheit. Unheimlich war so eine Menschenstadt im Dunkeln. Die Laternen wogten quietschend im Wind wie Gehängte. Manchmal dachte ich, dass sich die Wände der Fachwerkhäuser bewegen würden: überall huschende Schatten - oder war das alles nur Einbildung?

Ich eilte über die Stadtmauer - keine Wachen weit und breit. Rasch hatte ich die gesuchte Essigwurz gefunden und konnte mich auf den Rückweg machen. Vor dem Planwagen verwandelte ich mich zurück. Wir hatten alle Zutaten beisammen: Essigwurz, Ginsterbeeren, Tarinlapp, Brennnesseln und Löwenzahn. Auch meine Gefährten berichteten von unheimlichen Geräuschen: trippelnde Schritte und quietschende Schreie. Der Notor hatte einen Mörser und weitere Zutaten dabei, aus denen er mit Hilfe der Kräuter eine Arznei herstellte. Das Mädchen hustete, als ihr der Trank eingeflößt wurde. Schon nach kurzer Zeit sank das Fieber und unsere Patientin fiel in einen tiefen Schlaf. Wir waren erleichtert, verließen den noch immer sehr bekümmerten Vater und nutzten den Rest der Nacht zum Schlafen.

Am nächsten Morgen kam uns der Vater schluchzend entgegen: "Ihr habt meine Tochter gerettet! Wie soll ich euch nur danken? Bitte nehmt diese 30 Silberlinge als kleines Zeichen meiner Dankbarkeit!"

Wir waren zum Ratsherrn eingeladen worden, der uns freundlich begrüßte und dann von seinen Sorgen berichtete: "Unsere einst so stolze Stadt liegt seit dem großen Beben in Trümmern. Meine fleißigen Bürger hatten einen Teil der Stadt schon wieder aufgebaut und alle waren in Aufbruchstimmung, besonders nachdem die Ul‘Hukk erfolgreich zurückgeschlagen werden konnten. Vor drei Monden ist aber ein großes Unglück über unsere Stadt hereingebrochen: Ratten, überall Ratten! Sie haben sich rasant in den Ruinen vermehren können, jetzt findet man sie überall. Sie haben keine Angst mehr vor den Menschen - es wurde schon von zahlreichen nächtlichen Angriffen berichtet, so dass ich eine Ausgangssperre verhängen musste. Die Menschen bleiben in ihren Häusern, nur wenn die Sonne hoch am Himmel steht, trauen sie sich noch auf die Straße. Das kranke Mädchen hatte Glück - viele sind schon an der Rattenpest gestorben! Wir haben zwei Rattenfänger gerufen, die beide aber nach kurzer Zeit mit unseren Silberlingen das Weite gesucht haben!"

Der stämmige Mann räusperte sich kurz und seine Backenhaare zitterten dabei: "Es gibt noch ein weiteres Problem, das mir noch viel mehr am Herzen liegt. Verzweifelte Eltern kommen zu mir. Sie berichten, dass ihre Kinder verschwunden seien. Die Leute flüstern, dass ein Dämon sie hole und verspeise. Andere berichten von einer hässlichen alten Frau, die sie nachts in den Gassen gesehen hätten - sie bezeichnen sie als die Rattenkönigin. Wir wissen aber nicht, ob das alles in einem Zusammenhang steht…"

Samstag, 22. Februar 2014

Die Plage - Kapitel 3: Aufbruch nach Altem

Auf dem Rückweg zum Karawanenlager kamen wir an Jel vorbei. Am Boden um ihn herum hatte sich eine große Blutlache gebildet und sein Kopf war nach hinten gekippt. Tarkin musterte sein kleines Koboldschwert und blickte dann auf Jels Gürtel: "Sein Schwert gehört mir! Ihr habt euch ja alle schon bedient!"
Er hatte gerade das Heft ergriffen, als der vermeintliche Leichnam zuckte und sich eine Hand um Tarkins pelziges Handgelenk schloss.
"Lass los, du brauchst das nicht mehr!", schrie der Kobold, riss sich von der eiskalten Hand los und zog schnell das Schwert aus der Scheide. Jels lebloser Körper sank wieder zu Boden. Ich bestand darauf, seinen Körper an Ianna zurückgeben - nicht dass er uns nachts als Diener Mortarax‘ wiederbegegnen würde. Urota erbarmte sich und zog ihn hinter sich her.

Wir traten aus dem Nordwald heraus und sahen die Sonne hoch am Himmel stehen. Als wir uns der Wagenburg näherten, kam uns ein aufgeregter Tarso entgegen: "Wir müssen hier weg! Im Lager wimmelt es von Ratten! Meine Waren! Die fressen mir die Haare vom Kopf!"
Vor Aufregung bemerkte der Glatzkopf erst jetzt die Silberfelle, die Vivana und Anneliese trugen. Sein nächster Blick galt dem Leichnam, den unser Troll hinter sich her schleifte - er wendete sich angewidert ab.

"Bevor wir aufbrechen, müssen wir Jel noch ein anständiges Begräbnis bereiten!", beharrte ich. Nachdem ein Loch ausgehoben war, ließ Urota den Leichnam hinab. Viele der Händler traten hinzu und schauten Widun und mich erwartungsvoll an. Auch wenn ich Jel nicht gekannt hatte oder wirklich leiden konnte, hoffte ich, dass Ianna ihn aufnehmen würde. Ich erinnerte daran, dass er in der Erfüllung seiner Pflicht, uns vor der Bedrohung durch die Wölfe zu schützen, sein Leben gelassen hatte. Widun ließ einen Weinkelch herumgehen und alle auf Jels Wohl trinken. Die Versammlung löste sich schnell wieder auf. Ich sah wie Widun ein Fass vor sich her rollte: Ein Kelch Wein reichte wohl nicht für einen toten Wildhüter.

Wir hatten Tarso überzeugt, noch eine Nacht zu lagern. Wir waren erschöpft von der Jagd und setzten uns ans Lagerfeuer. Dort brieten wir einen der Wölfe. Ein Händler mit abstehenden Ohren und Schweinsaugen wurede vom Duft angelockt und lullte uns mit einer langen Erzählung ein - wahrscheinlich in der Hoffnung etwas vom Braten abzubekommen. Wir legten uns schließlich schlafen. Die Nacht verging zum Glück ohne Vorkommnisse.

Am nächsten Morgen sah ich, wie Widun hinter einem der Zelte hervorkam. Mit einem Ausdruck der Erleichterung im Gesicht und einer Fahne im Gepäck, ließ er sich wankend auf dem Kutschbock nieder - Mnamn musste stolz auf ihn sein. Tarso Payn bestand darauf, dass der Troll sich in einem der Wagen versteckt halten müsste. Er befürchtete, dass uns die Wachen nicht in die Stadt lassen würden, wenn sie bemerkten, dass wir einen Hügeltroll dabei hatten.
 
Eine Karte von Askalon, die uns Edwen überlassen hat.

Innerhalb einer Tagesreise und zwei Regengüsse später standen wir vor den Toren der Stadt Altem. Urota musste sich unter alten Säcken und Heu verstecken. Die Stadtwachen kannten Tarso und ließen uns ohne Weiteres passieren. Die Stadt bot einen trostlosen Anblick. Während die Wagenräder über die feuchten Pflastersteine holperten, traf mein Blick auf eingestürzte Mauern und Schutthalden. Die Gassen waren leer - bis auf den Dreck, der sich überall auftürmte und einen beißenden Gestank verbreitete. Hier und da sah ich jedoch, wie Türen oder Fensterläden einen Spalt weit geöffnet wurden. Ich erkannte verhärmte Gesichter, die uns nachblickten.

Einer der skilischen Händler namens Boldran Blei hatte uns gestern Abend am Lagerfeuer erzählt, dass Altem vor Jahrzehnten eine stolze Stadt gewesen sei. Dann hatte wohl ein gewaltiges Erdbeben, das von den Askaloniern nur "Bulgors Zorn" genannt wird, den Großteil der Stadt zerstört. Aufgrund der fortgesetzten Auseinandersetzungen mit den Tekk waren viele Menschen weggezogen. Dennoch hatten die Verbliebenen den Kern der Stadt wieder aufgebaut und waren sehr an den Waren aus aller Herren Länder interessiert. Davon war damals aber nichts zu sehen - mein linkes Horn begann zu jucken - ich hatte immer dieses Gefühl, wenn irgendetwas faul war.

Wir erreichten den Marktplatz - auch hier keine Menschenseele. Die Händler waren enttäuscht und begannen zu tuscheln. Tarso winkte alle herbei: „Geht erst einmal schlafen und beruhigt euch! Morgen sieht es bestimmt anders aus! Die Leute werden sich um euren Schmuck, eure Tücher und Gewürze streiten!“

Die Ansprache des Dicken wurde jäh unterbrochen.
"Hilfe! Hilfe! Warum hilft mir denn niemand!"
Der Vater des Mädchens mit der Bissverletzung sprang aus seinem Wagen und brach sich dabei fast die Knochen.
"Meine Tochter hat Schüttelfrost, sie ist nicht mehr bei Sinnen! Gibt es denn hier keinen Heiler? Oh Alun, bitte hilf uns!"

Wir begleiteten den verzweifelten Vater zu seinem Wagen.

Sonntag, 16. Februar 2014

Die Plage - Kapitel 2: Die Wolfsjagd

Jel ging uns voraus und las die Fährte. Die Wolfsspuren führten in einen dunklen Wald, den Jel als Nordwald kannte. Hier standen knorrige Bäume, die um die Vorherrschaft im dichten Blätterdach rangen. Jeder Baum sah anders aus, ich erkannte Weiden, Eschen und Tannen. Der Boden war schlammig und wir mussten immer wieder kleine Tümpel umgehen. Auch das dichte Unterholz behinderte unser Vorankommen. Urota fluchte, er stolperte ständig über irgendwelche Wurzeln oder verhakte sich mit seinem Knochenknüppel. Jel gemahnte ihn zur Ruhe. Für unsere beiden Kobolde stellte das kein Problem dar, geschickt sprangen sie von Wurzel zu Wurzel. Widun, Vivana und ich bildeten die Nachhut - die Augen ins umgebende Dickicht gerichtet. Jel führte uns immer tiefer in den Nordwald hinein. Auf dem feuchten Boden ließen sich die Spuren des Silberwolfes leicht verfolgen.

Plötzlich setzte ein heftiger Regenschauer ein, vor dem uns auch das Blätterwerk wenig Schutz bot. Wir sahen eine Roteibe, unter deren gewaltigem Wurzelwerk wir Unterschlupf fanden. Ich konnte es noch nie leiden, wenn sich mein Fell so voll Wasser saugte!

Der Wildhüter hob plötzlich die Hand: Wir sollten stehenbleiben. Es setzte eine bedrückende Stille ein. Wir sahen, wie sich der Grüne vorsichtig einem Dornbusch näherte. Jetzt erkannte ich, was er gesehen hatte: durch den Busch hindurch sah ich etwas Silbriges glänzen. In der Stille hörte ich deutlich ein Schlabbern, als ob ein Hund aus einer Pfütze tränke. Jel zog ganz leise einen Pfeil aus seinem Köcher und legte mit seinem Kurzbogen an.
Gespannt beobachteten wir ihn. Dann hörten wir das Zischen des Pfeils. Statt des erwarteten Jaulens hörten wir nur ein Platschen - der Pfeil war daneben gegangen! Jel tastete nach einem weiteren Pfeil in seinem Köcher, doch da kam bereits etwas Gewaltiges über den Dornbusch gesprungen - es war ein Silberwolf! Er packte Jel am Hals - dann folgte ein furchtbares Geräusch, als er ihm die Kehle herausriss. Nachdem er mit dem Jäger fertig war, blickte er uns mit seinen wie Topas funkelnden Augen an.
Ein angriffslustiger Silberwolf.

Da stand er, Blut und Geifer tropften aus seinem Maul. Er fletschte die Zähne. Sie blitzten auf, als die ersten Strahlen der Morgensonne durch die Blätter drangen.

Anneliese löste sich als Erste aus der Schockstarre und versengte dem Wolf mit ihrem Feuerstrahl das Fell. Vivana schrie: „Nein! Was machst du! Das Fell ist fünfzig Silberlinge wert!“
Der Silberwolf heulte auf und verschwand im Dickicht - und zog dabei eine Rauchfahne hinter sich her.
Wir schauten uns Jel an: er bot einen furchtbaren Anblick, da war nichts mehr zu machen - er war tot. Jetzt tat er mir doch leid. Urota griff sich den Kurzbogen und den Köcher des Wildhüters. Auch Vivana beugte sich flüchtig über ihn - ich hörte ein leises Klimpern.

Wir entschlossen uns, den Wolf weiter zu verfolgen. Die Blutspuren und der Gestank von verbranntem Fell erleichterten uns die Jagd. Wir trafen auf eine Lichtung - auf der anderen Seite erwartete uns bereits der nicht mehr ganz so silberne Wolf. Wir näherten uns vorsichtig - dann wurde uns klar: wir waren in eine Falle geraten. Von den Flanken und von hinten näherten sich drei weitere Wölfe. Sie waren kleiner als der angekokelte Wolf, aber ebenso furchteinflößend. Sie verloren keine Zeit und griffen uns sofort an.

Einer der Wölfe rannte direkt auf unseren Koboldkrieger zu. Wir hörten ein „Ich will noch nicht sterben!“ von Tarkin, als er erfolgreich einem Biss auswich. Ich sah, wie sich Vivana auf den Angriff der Wölfe vorbereitete: sie band sich einen Teil ihres Kapuzenumhangs um den Arm - gerade noch rechtzeitig - konnte sie doch so einen Krallenhieb abwehren. Einer der Wölfe setzte zum Sprung an - hechtete aber an unserem großen Troll vorbei. Ich hatte weniger Glück und wurde von einem Wolf voll erwischt - er riss mich zu Boden. Anneliese zeigte, dass sie auch mit anderen Elementen als Feuer umgehen konnte: mit den Worten "ICAL ULIP" und den entsprechenden Gesten formte sie einen Eisspeer und schleuderte ihn auf den Wolf, der mich gerade zu seinem Frühstück auserkoren hatte. Mit einem Jaulen machte er einen Satz nach hinten.

Statt sich in den Kampf zu stürzen, vertiefte sich Widun ins Gebet, natürlich erst, nachdem er sich ein Schnäpschen gegönnt hatte. Mnamn schien ihm gewogen zu sein: die Wölfe begannen zu taumeln, also ob sie betrunken wären - er schien sie in eine Art Rauschzustand versetzt zu haben. Vivana nutzte die Hilflosigkeit der Wölfe aus und versetzte dem verbrannten Wolf mit ihrem Kurzschwert den Todesstoß. Ich hatte genug von den Sprungattacken der Wölfe und bat die Erdmutter um ihre Unterstützung. Vor meinen Augen wuchs eine Hecke aus dem Boden und schirmte mich erst einmal vor den Wölfen ab.

Tarkin attackierte einen der Wölfe mit seinem Koboldschwert, hieb aber leider daneben. Zwei Wölfe hatten es auf Urota abgesehen - er konnte sie mit seiner Allzweckwaffe erfolgreich auf Distanz halten. Anneliese hatte kunstvoll einen weiteren Eisspeer geformt und spickte damit einen der Wölfe, die an Urota hungen. Widun drisch mit seinem Knüppel auf sie ein. Ich richtete ein Stoßgebet an Ianna - aus dem Boden wuchs etwas Klettenkraut hervor. Ich bückte mich und warf es auf die Bestien - leider taugte es wenig als Wurfgeschoss und wurde schlicht vom Winde verweht.

Urota hatte mittlerweile einen der Wölfe mit seiner Knochenkeule niedergestreckt. Die beiden letzten Wölfe waren augenscheinlich wie in einen Blutrausch versetzt und sprangen wild um sich beißend herum. Ich richtete ein weiteres Stoßgebet an Ianna - aus dem Boden sprossen stachlige Ranken hervor, die sich auf meinem Körper verteilten und eine Art zweiter Haut bildeten - sollten sie nur kommen!

Urota sah plötzlich verunsichert aus - er blickte sich fragend um: "Wo er denn hin?“ kam es zwischen seinen Hauern hervor - dann blickte er an sich herab - einer der Wölfe hatte sich in seiner Rüstung verbissen.
„Ach da!“, rief er aus und zermalmte den Wolf mit seinem Riesenknochen.

Anneliese setzte gerade mit "SINGI" an und erste Flammen züngelten auf ihrer Hand als sie von Vivana angeschrien wurde: "Hör mit deinem Gefunzel auf! Es reicht, dass du schon ein Fell ruiniert hast!"
Anneliese schien beleidigt zu sein und löschte die Flamme - Vivana trennte mit einem raschen Hieb dem letzten der Wölfe den Kopf ab.

Da lagen sie: vier tote Silberwölfe. Anneliese beanspruchte einen Wolfszahn für sich - Vivana häutete die Wölfe und warf Anneliese das verbrannte Fell zu - "Da, für dich, Funkenmariechen!"

Das blutige Handwerk wurde durch ein fernes Wimmern unterbrochen. Wir nahmen die Felle sowie das Fleisch der Wölfe und folgten den Klagelauten. Anneliese hatte etwas entdeckt: "Da drüben glitzert etwas im Laub!" Wir waren betroffen, als wir erkannten, worum es sich handelte: von Blättern halb verdeckt lag dort ein blutüberströmtes Wolfswelpen. Ich schaute es mir genauer an: da waren Bissspuren zu erkennen und wenn mich nicht alles täuschte ... stammten sie von Ratten! Wir fanden weitere tote Welpen, auch sie wiesen Bissspuren auf. Das Wimmern war in ein Heulen übergegangen - auf einem Hügel in der Ferne sahen wir die Wolfsmutter, die um ihre Welpen trauerte...

Meine Gedanken überschlugen sich - waren es wirklich die Silberwölfe gewesen, die das Mädchen im Lager angegriffen hatten? O Ianna, was hatten wir getan!